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Ein Projekt in den Sand setzen


Der Versicherungskonzern Münchner Rück, RWE, Siemens und die Deutsche Bank sind voller Tatendrang, leider fehlt noch etwas Kleingeld für das Projekt »Desertec«

Dabei handelt es sich um ein Solar-Projekt, das Deutschland mit umweltfreundlicher Energie versorgen soll. „Eines der ehrgeizigsten Projekte zur Versorgung Deutschlands mit grüner Energie nimmt konkrete Formen an.“… „In Afrika erzeugter Solarstrom soll nach Europa geleitet werden und dort Heizungen, Küchengeräte und Maschinen antreiben. Das energiepolitische Ziel ist hoch gesteckt.“ – schreibt die Süddeutsche

Torsten Jeworrek, Vorstand der Versicherungsgruppe Münchener Rück, (die Spitze der Bewegung), lässt verlauten, mit diesem Projekt etwa 15 Prozent der europäischen Stromversorgung über »Desertec« decken zu können. Insgesamt sollen sich an die 20 deutsche Firmen beteiligen. Denkbar sind Solarkraftwerke an mehreren Standorten in Nordafrika. Wichtigstes Kriterium: die Anlagen müssen in politisch stabilen Ländern stehen“. Die Energiewende sei keine ferne Vision mehr, heißt es aus dem Konsortium. Aber, „Technisch ist das Projekt realisierbar“, sagt Jeworrek.

Die Konzerne, die auch um Kapital von außen werben wollen, hoffen trotz fehlender Praxis auf gut angelegtes Geld. Das Projekt soll sich langfristig selbst tragen. „Es braucht natürlich am Anfang eine gewisse Investitionssicherheit, zum Beispiel eine Abnahmegarantie zu einem bestimmten Preis.“ Der Strom dürfe aber nicht dauerhaft subventioniert werden. Wettbewerbsfähig werde Desertec, „in zehn bis 15 Jahren“ sein, so Jeworrek.

Worum geht es eigentlich?

Welcher Grund könnte für mich in Frage kommen, über solch einen Schnickschnack überhaupt zu schreiben. Weil die Systempresse mit Sicherheit nicht imstande ist, die grauen Zellen zu benutzen. Selbst wenn sie es täten, würde mit großer Wahrscheinlichkeit kein einziges Wort der Kritik geübt werden, – aber, dafür bin ich ja da. Bevor ich die Sau durchs Dorf jage, möchte ich noch ein paar kleine Details aus der Süddeutschen zitieren, damit die Sau auch anständig rennt.

Der Siemens-Sprecher verrät nicht viel, aber es genügt: „Ja, wir sind in Gesprächen mit der Münchner Rück und anderen Industrieunternehmen wie RWE oder Eon“ (…) „Es geht dabei um die Gründung einer Industrieinitiative, die das Thema ‚Wüstenstrom für Europa‘ weiter voranbringen soll.“ Leider verfügt Siemens nicht über die gesamte Technik, um selbst solarthermische Kraftwerke bauen zu können. Die Begeisterung und Motivation ist dank der vielen deutschen Firmen, die vermutlich für das restliche Know-how sorgen werden, sehr hoch. Doch wo sind die Wurzeln bei diesem Projekt?

»Desertec« ist das Zusammenspiel einer Initiative aus Politikern und Wissenschaftlern, sowie dem deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Nach den Informationen der Süddeutschen, sind die Pläne für dieses Mammutprojekt auf den »Club of Rome« zurückzuführen. “Desertec ist aus unserer Sicht ein visionäres und sehr spannendes Projekt. Eine Fläche von 300-mal 300 Kilometer mit Parabolspiegeln in der Sahara würde ausreichen, um den gesamten Energiebedarf der Erde zu decken.“

Sehr viel versprechend, wenn man damit die ganze Erde versorgen könnte – aber warum greifen nur die deutschen Firmen in die Tasche?

Siemens gehört weltweit zu den größten Konzernen, die Stromübertragungsnetze bauen. Immerhin, die Süddeutsche lässt auch Skeptiker zu Wort kommen. „Baut man die Solarkraftwerke in politisch instabilen Ländern, bringt man sich in die gleiche Abhängigkeit wie beim Öl“ – sagt Solarworld-Chef Frank Asbeck. Trotz dieser Bedenken wollen die beteiligten Konzerne das Projekt mit aller Kraft vorantreiben. Auch Politiker aus Berlin und Brüssel (selten ohne) sowie Vertreter nordafrikanischer Staaten haben die Einladung für den 13. Juli 2009 zu einem Gründungstreffen zugesagt.

Die „Experten“ des »Club of Rome« schätzten den Angaben zufolge in einer Studie vom Februar die Kosten zur Erzeugung von rund 15 Prozent des europäischen Strombedarfs auf rund schlappe 400 Milliarden Euro.

Jürgen Trittin – der frühere Umweltminister und jetziger „Spitzenkandidat“ der Grünen – ist fleißig bei der Arbeit und macht Werbung. Auch der derzeitige Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, ist nicht weit weg und unterstützt das Desertec-Konzept „Sauberer Strom aus den Wüsten“.

Was gibt uns zu denken?

  • Das es sich bei dieser Initiative ausschließlich um deutsche Firmen handelt, kann ich aus Gewohnheit verkraften.
  • Wenn der »Club of Rome« seine Finger mit im Spiel hat, lohnt es sich schon genauer hinzuschauen.
  • Wenn Trittin an der Werbetombola steht, ist Vorsicht geboten.

Die Sau rennt

Bestimmt hat jeder schon mal diese großen Transformatoren an den Straßenecken gesehen. Wer daran vorbeigeht kann das Summen hören. Diese Trafos dienen dazu, den Strom herunter zu transformieren. Der Strom aus dem Kraftwerk muss ja irgendwie zu Ihnen nach Hause gelangen. Damit der PC auch funktioniert, muss eine ausreichend Spannung aus der Steckdose kommen. Damit dies gewährleistet ist, müssen tausende Volt aus dem Kraftwerk über die Leitungen gejagt werden, denn die Leitung selbst ist ein Verbraucher. Je weiter die Entfernung vom Kraftwerk zum Verbraucher ist, so mehr Energie muss in die Leitung, damit die Spannung am Ende ausreicht.

Von Nord-Afrika bis zur deutschen Kaffeemaschine schätze ich mal auf 4000 Kilometer. Der Energieverlust auf dieser Entfernung steigt um das 35-40 Fache, ein kleiner Unterschied, als bei einer Entfernung von nur 200 Kilometern. Jetzt erklären Sie mir bitte die Logik.

Das macht doch überhaupt keinen Sinn, oder? Um diese Verlustrechnung zu begreifen, ist keine Lehre als Elektriker nötig, da reicht ein gesundes Allgemeinwissen und das kleine 1X1. Gut, Logik ist für Politiker nicht zwingend notwendig, dafür sind es ja Politiker. Das Europa mit Haus und Hof näher an Nordafrika umsiedelt, konnte ich keiner Information entnehmen. Wenn mein Arbeitsplatz flexibel…mir solls egal sein.

Ist es nicht seltsam,

wenn mal wieder zufällig deutsche Firmen an einem „Projekt“ beteiligt sind, das für ganz Europa Strom in die Haushalte bringen soll. Deutschland drückt die meiste Kohle ab, wenn es um die Finanzierung der EU geht?

Ist es nicht seltsam,

wenn die Anlage selbst in einem ganz anderen Land steht?

Ist es nicht seltsam,

wenn Stromkonzerne wie RWE, EON, Siemens und Co, den Energieverlust vor lauter Begeisterung mal eben vergessen haben?

Nein, mich wundert nicht mehr. Vermutlich sind das die letzten Milliönchen, die aus dem Standort Deutschland auszupressen sind.

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Quellen/Verweise:

http://www.desertec.org/en/news/
http://www.mdr.de/nachrichten/6443910.html
http://www.westfaelische-nachrichten.de/
http://www.munichre.com/
http://www.heise.de/tp/blogs/2/140504
http://www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/strom-aus-der-wueste/
http://www.muensterschezeitung.de/lokales/muenster/top/Muenster;art993,574610

  1. Elektriker
    18. Juni 2009 um 14:15

    Das Überbrücken großer Distanzen ist bei diesem Projekt auch nicht mit einem vorsintflutlichen Wechselstromsystem geplant:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Hochspannungs-Gleichstrom-%C3%9Cbertragung

  2. Kersti Wolnow
    17. Juni 2009 um 10:19

    Von wieviel Zufällen sollen wir denn noch abhängig gemacht werden? Regionale Anbieter kann ich für Pleiten, Pech und Pannen bei der Strom- und sonstigen Versorgung verantwortlich machen, die globalen Player halten sich im Hintergrund auf und verschwinden im Nebel, wenn nichts mehr klappt, genau wie die Casinospieler der Weltbanken. Aber diese Anonymität ist ja die ganz gewollte Perversität der Akteure, politische Dummbatzen wie Trittin und Gabriel werden besoffen gequatscht oder erpresst oder gekauft.

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