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E-Book • Theodor W. Adorno – Negative Dialektik

5. November 2009

Die Kritische Theorie erlebt in der gegenwärtigen Philosophie nicht gerade eine Hochkonjunktur. Bücher wie die Negative Dialektik werden kaum mehr gelesen; allzu sperrig ist der Text, allzu verästelt, dicht und anspielungsreich die Gedankenführung. Sie kommen der Mentalität eines Publikums nicht entgegen, das die Philosophie dem Rationalitätsideal der formalen Logik anzugleichen pflegt und sie damit zu einer Art Denksport regredieren lässt. Wendungen wie diejenige, dass es nach dem Zusammenbruch der klassischen Systemphilosophie gelte, mit der Metaphysik im Augenblick ihres Sturzes solidarisch zu sein, sind indessen in die Feuilletons eingegangen. Die Wendung ist geeignet die Grundintention des Buches zu beschreiben: Antisystematisch ist darzulegen, dass die Kraft des denkenden Subjekts sich nur in der Kritik erhält, indem sie das System als etwas in Gedanken nicht mehr Herstellbares zeigt. Die Ohnmacht des Denkens deutet zugleich auf die falsche Macht bestehender Verhältnisse und entlarvt die Unmöglichkeit, Vernunft in der Gesellschaft wirklich werden zu lassen.

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Theodor W. Adorno – Negative Dialektik
Pages:415 | PDF | Suhrkamp; Auflage: 11 (1997) | ISBN 3518277138 | 7 MB

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In diesem Kontext ist eine der Grundeinsichten Adornos die Diskrepanz zwischen dem begreifenden Denken und seinem Gegenstand. Gerade das, was dem identifizierenden Gedanken entgleitet, was er als allgemeiner vom Besonderen abschneidet, wäre auf den Begriff zu bringen. Dies geschieht mittels der Dialektik, die deshalb negativ heißt, weil sie, anders als bei Hegel, die Negation nicht wieder in die affirmative Setzung einer versöhnenden Position aufgehen lässt. Aber gerade im Festhalten der Negativität manifestiert sich die Solidarität mit der Metaphysik und überlebt die Sehnsucht nach der nicht mehr möglichen Versöhnung. Damit ist die Negative Dialektik der subjektphilosophischen Tradition des Deutschen Idealismus verpflichtet, nämlich als deren bestimmte Negation.

Kommentar – Jens Kertscher

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