„Im Kampf gegen …“

Was macht uns das Leben schwer?

Nun, was heißt denn „schwer“? Das Leben ist reich an Erfahrungen und Herausforderungen. Das macht das Leben aber nicht „schwer“, sondern interessant und lebenswert. Harte Arbeit ist schwer, nämlich schwer im Sinne, dass sie unsere Seele erdet und reifen lässt. Die Not der Menschen in unserer zivilisierten Welt ist eine andere, denn umso mehr die körperliche Arbeit entwertet wird, bzw. gar nicht mehr notwendig wird, umso schwerer wird das Leben. Paradox! Was ist der Grund?

Unsere Seele wird entkräftet durch Ideologien, die immer auch eine Funktion haben: Das natürliche Gewissen zu töten, Angst zu erzeugen und Abwehrmechanismen zu kultivieren. Angst macht uns das Leben schwer, also schauen Sie genau hin – dieser Planet wird mit Hilfe der Angst regiert. Ideologie ist der Schlüssel, der nicht unterschätzt werden sollte. Um die Funktion einer Ideologie, ihren Sinn und Zweck erkennen zu können, muss man kein Genie sein. Man prüfe, ob es in einer Ideologie einen Guten und einen Bösen gibt. Und dann prüfe man, ob der Böse immer der andere ist. Wenn diese beiden Kriterien vorhanden sind, dann rede ich von einer Ideologie. Ideologien sind Angsterzeuger. Ideologien sind „gutes-Gewissen-Verkäufer“ und das „natürliche-Gewissen-Töter“. Das saugt die seelische Kraft aus uns heraus, schwächt unsere Emotionen und Gefühle.

Wie werden Ideologien erzeugt und geschaffen? Ganz einfach: Durch die Vermittlung von unwichtigen, falschen oder halbwahren Informationen und der Vorenthaltung des wahren Wissens über die „menschliche Natur“. Genau aus diesem Grunde kann es eine „menschliche Natur“, von der so oft die Rede ist, nicht geben. Was bleibt ist „menschliches Verhalten“. Fragt euch bei jeder In-Formation, ob euch diese nützt und wozu diese nützt. Wenn sie euch nicht zum Handeln befähigt, sondern nur ein flaues Gefühl erzeugt (schlechtes Gewissen, Angst, Aggression, …), dann vergesst sie wieder. Wenn ihr dann „Ignoranten“ geschimpft werdet, dann ist wieder der Versuch im Spiel, euch ein schlechtes Gewissen zu machen. Denn jede Ideologie enthält einen unveränderlichen Glaubenssatz, den man sich einprägen sollte.

„Du bist der Gute und der Andere ist der Böse, solange du mir (der Ideologie) folgst.“

Ideologien werden von Menschen gemacht, die Schmerzen, Angst oder ein schlechtes Gewissen abwehren, anstatt sich diesen Emotionen zu stellen und diese zu verarbeiten. Sie spalten alle diese negativen Empfindungen ab und projizieren sie nach außen; so ist der Böse immer der Andere! Was könnte uns von Ideologien befreien? Die Integration aller Anteile in der eigenen Person. Jeder hat sowohl „gute“ wie „böse“ Anteile. Wenn ich diesem zustimme, verlieren die bösen Anteile ihre destruktive Energie. Wenn ich sie ignoriere bzw. ablehne und nach außen projiziere, dann erst wirken sie destruktiv. Nach diesem Mechanismus funktioniert zurzeit unsere ganze Welt. Du selbst kannst den Anfang machen und diesen Teufelskreis – im wahrsten Sinne des Wortes – durchbrechen, der Ideologie die Energie nehmen, ihr das Licht ausblasen.

Ideologien und In-Formationen (Formatieren!) sind Formen der psychischen Abwehr negativer Gefühle und Emotionen und schaffen eine Ersatzrealität. Ich denke, wir sind uns darüber einig: Ersatzrealität können wir nicht brauchen. Wenn du dich als „Rechter“, als „Linker“ (Schubladen der Dialektik) verstehst, dann bist du schon in der Falle, in der man sich sogar noch wohl fühlt, weil der „Andere“ schließlich der „Böse“ ist. Es gibt einen leichten Ausweg aus diesem Dilemma: Wenn du zum Beispiel ein „Rechter“ bist, dann umarme in Gedanken einen „Linken“ und sage ihm, „Du bist in der gleichen Falle wie ich. Hilf mir hier raus“. Dann hast du deinen „Schatten“, den du dir übrigens selbst schwer erarbeitet hast, integriert und überwunden.

„Im Kampf gegen …“

jagen wir unseren eigenen Schatten. Wen wundert es, dass vor lauter Kampf gegen das so genannte „Böse“ die Welt immer grausamer wird, eine Welt in der wir uns nicht mehr wohl fühlen, eine Schattenwelt. Die Menschen verbringen die meiste Zeit damit, ihren eigenen Schatten zu jagen. Ideologien sind Schatten, durch sie werden wir süchtig nach einer Illusion, einer Art Droge: „Ersatzrealität“. Und leider nützt es uns wenig, wenn wir auf einzelne Politiker, die mit ihren „Machtpositionen“ großes Unheil anrichten, stinksauer sind. Wenn die Wut in uns brodelt, was auch verständlich und nachvollziehbar ist, dann wird diese Energie, unsere Wut, ein Schatten unserer Selbst sein. Druck erzeugt Gegendruck, besonders wenn er dem Machterhalt dienenden ideologischen Zweck erfüllt.

Der “Kampf gegen rechts” führt zu einer vollständigen Ideologisierung des Denkens und der Meinungsbildung. Diese Ideologisierung folgt dem gleichen Paradigma, wie es sich im “Klassenkampf” oder anderen staatsideologischen Paradigmen zeigt: Mit “immer mehr desselben” wird versucht, dem “gesellschaftlichen Problem Rechtsradikalismus“ beizukommen. Dabei folgt diese “Aufklärungsideologie” einer Logik, die auch dem Denken der “Gegenseite” entspricht: Agitieren, Ächten, Moralisieren, Einschüchtern. Es geht auf allen Seiten um die “richtige Gesinnung”.

Die gegenwärtige Kultur der sozialpolitischen Auseinandersetzung bewegt sich in jüngster Zeit nur noch in Denkschablonen wie “rechts” und links” und wird auch nur in diesen dualistischen Grenzen geführt. Demokratie bedeutet nicht zuletzt, sich über Inhalte frei äußern zu dürfen. Dies wird bei zunehmender Betonung der vorgegebenen Formen nicht mehr möglich. Der Fragesteller bzw. Vertreter einer These wird mit der ideologischen Form sofort identifiziert, die vorgetragenen Inhalte werden mit einer ideologischen Kategorie identifiziert. Damit aber ist Diskurs nicht mehr möglich. Die ideologische Fixierung in der “deutschen Schuld” durch die permanente Re-Inszenierung des dritten Reiches sind ja gerade das Indiz für eine nicht integrierte Vergangenheit.

Die Integration der Vergangenheit als Überwindung derselben zeigt sich ja gerade darin, dass sie vorbei sein darf. Die Fixierung und Re-Inszenierung, welche offiziell als “Aufklärung” deklariert wird, verhindert gerade das, was sie vorgibt bewirken zu wollen: Die Überwindung der Vergangenheit durch Integration des eigenen (deutschen) Anteils an den schrecklichen Geschehnissen. Stattdessen wird die Polarisierung der Abwehr auf beiden Seiten (Rechte und Nicht-Rechte) verstärkt; ein Abwehr-Regelkreis entsteht. Feindbilder, die im inneren der Gesellschaft definiert werden, waren und sind herrschaftsstabilisierende Mechanismen zur Kanalisierung von Aggressionen, Schuldvorwürfen, Unzufriedenheiten und vieles andere mehr. Sie bilden die Grundlage für die Schaffung von Pseudo-Identitäten, mit deren Hilfe die herrschende Instanz ihre Macht festigt und von ihren korrupten Methoden ablenkt.

Die “Rechten” können “wir” (die “Nicht-Rechten”) nicht bekämpfen, schon gar nicht im Namen der “Demokratie“; so wie kein Symptomträger in einem System bekämpft werden kann. Wir können diesen Aspekt nur INTEGRIEREN. Denn das Symptom gehört zu uns allen in einem Bezugssystem, ein „systemischer Leitsatz“. Erst wenn wir erkennen, dass die “Rechten” uns etwas spiegeln, das mit jedem in dieser Gesellschaft zutun hat, wird es möglich sein, sich diese Struktur zu Nutzen zu machen und um die Schizophrenie in der Bevölkerung überwinden zu können. Die Schizophrenie zeigt sich dort, wo die Propaganda “gegen rechts” mit den gleichen Mitteln und derselben Energie geführt wird, wie von den “Rechten“ selbst. Die so genannte “latente Fremdenfeindlichkeit” in Deutschland ist letztlich Indiz für die Abspaltung des Bewusstseins, die Spaltung durch ideologische Denkinhalte und Bilder, mit denen nicht gegeizt wird.

Medienwirksam werden sie unter die breite Bevölkerung gestreut. Wir wissen spätestens seit C.G. Jung, dass sich die nicht erlaubten Gefühle und Motivationen in Abwehrmechanismen und Projektionen manifestieren. Intoleranz und Selbstgerechtigkeit auf Seiten der “Aufklärer” (Kampf gegen rechts) weisen sehr deutlich auf den Aspekt des Abwehrcharakters, der ideologischen Feindbildproduktion hin und darf nicht außer Acht gelassen werden, da sonst ein ideologischer sich selbst verstärkender Abwehrmechanismus und Ignoranz entsteht: Jede Seite will der andern die eigene Ideologie aufdrücken und “bekehren”, denn jeder meint, die besseren Argumente zu haben. Außerdem haben wir gelernt, dass immer der Andere der Böse ist.

Der “Kampf gegen …” erfordert letztlich, dass die gleiche aggressive Energie und Methodik aufgebracht werden muss, die eigentlich bekämpft werden soll.

Das Ächtungsprinzip kann nur durch Kommunikation überwunden werden. Alles andere wäre nur ein Vorleben der gleichen negativen Energie, an der die Gesellschaft zugrunde geht und ein Miteinander unmöglich machen. Die Ängste und Motivationen, die einem rigiden Weltbild zugrunde liegen, können durch positives persönliches und gesellschaftliches Miteinander integriert werden. Das Schuldverständnis kann gelöst werden durch das Lassen der Täter und der Opfer im Dritten Reich und ihrer Schuld und ihr Leiden bei ihnen. Dies bewirken wir durch Anerkennung dieser zeitlichen Epoche und ihrer Bewegungen.

Nur eine Politik, die weder antinational, noch nationalistisch ist, kann den Rechts-Radikalismus überwinden und integrieren. Dies ist im Grundgesetz für die BRD eigentlich auch klar festgeschrieben. Den Nationalismus überwinden wir nicht durch einen Antinationalismus, schon gar nicht durch antinationale Globalisierung. Ganz im Gegenteil! Auf der wirtschaftlichen sowie kulturellen Ebene ist die Globalisierung nichts anderes, als das Abschaffen der Nationen, der Identität und der Gemeinschaften. Die Abschaffung ist die Zerstörung jeglicher natürlichen Ordnung, und sie ist aggressiver denn je zu erkennen.

Der “Kampf gegen rechts” kann nicht durch Ausgrenzung überwunden werden, sondern durch zirkuläres Denken: Nationale Identität ist Vorraussetzung kultureller Kompetenz und NICHT Ursache kultureller Verweigerung. Extremismus ist das Symptom für fehlende nationale Identität.

Und umgekehrt: Fehlende bzw. negative Energie der nationalen Identität ist Ursache mangelnder kultureller Kompetenz und NICHT die Voraussetzung für “Weltoffenheit”.

“Rechts” und “Nicht-Rechts” sind Pseudo-Identitäten. Sie entstehen erst unter den Umständen, wie sie seit langer Zeit in Deutschland und in der Welt instrumentalisiert werden. Der “Kampf gegen rechts” ist der Versuch der Schaffung einer Ersatz-Identität und produziert sein Gegengewicht. Die Hinterfragung des Demokratieverständnisses wird zunehmend notwendig. Demokratie ist nicht Privatsache oder Meinung, sondern Rahmenbedingung und gesellschaftlich-politische Realität, oder sie ist es nicht. Ursache und Wirkung sollen hinreichend identifiziert werden. Ein “immer mehr” an Ideologisierung kann das Andersdenken eben nicht “bekämpfen”, sondern lediglich verstärken – und das ist auch gut so.

Wie sollten wir denn eine ausgrenzende Ideologie durch Ausgrenzung überwinden?

Wo das Denken dem Markt und der Ideologie überlassen wird, dort überlässt man der Sau die Perlen.

„Im Kampf gegen …“ uns selbst

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  1. Willy
    21. November 2012 um 18:22

    Sehr guter Text, den ich an anderer Stelle schonmal gelesen hatte. Meines Erachtens wurde der hier reinkopiert. Egal: Der Blick über den ideologisch-quasireligiösen Tellerrand der Demokratur lohnt allerorts und jederzeit.

    Beste Grüße, Willy

  2. 4. August 2009 um 11:56

    Ich verfolge die Beiträge auf dieser Seite schon seit längerem…und mit diesem Beitrag sprichst Du mir zutiefst aus der Seele.
    Es ist ein universales Prinzip was Du beschreibst, nämlich, dass jeder Kampf gegen etwas – dieses eigentlich Bekämpfte – überhaupt am Leben erhält und dauerhaft erst verfestigt. Dieses Prinzip ist universal und gilt sowohl für die Einzelperson, wie auch für die ganze Gesellschaft.
    Um sich aus dem Alten zu lösen hilft vor allem die Integration und Annahme von allem was ist! Dabei wird dann die Welt zunehmend weiter, farbiger und inhaltsvoller und es kann endlich eine neue Welt entstehen – die Welt auf die zumindest ich schon immer gewartet habe.
    Eine neue weite Welt, die auf Toleranz gründet und nicht auf enge polarisierte Plattheiten (wie z.B. Rechts oder Links, Gut oder Böse, falsch oder richtig etc.), eine Welt in die wir wieder als kleine staunende Kinder eintreten können voller Ehrfurcht vor dieser geheimnisvollen Schöpfung mit seinen wahrhaft unbegrenzten Möglichkeiten.

    Die Welt wird dann bereits größer und weiter wenn wir nur mal so als Gedankenexperiment das spaltende ODER durch ein UND ersetzen (also z.B. Rechts UND Links, Gut UND Böse, falsch und richtig etc.)

    Enge Geister mögen jetzt einwenden, das sei logisch oft unstimmig, aber wenn wir uns mal versuchen uns auch nur für Sekunden mal aus einer höheren Warte zu betrachen: Welcher Mensch handelt schon dauerhaft logisch? Gerade das UND kann helfen die eigene Widersprüche zu integrieren und sich nicht aus Gründen der Logik/Polarität für bestimmte Teile von sch selbst und damit auch gleichzeitg gegen andere Teile entscheiden zu müssen lernen. Mir jedenfalls ist diese Korsett zunehmend zu eng und ich bevorzuge die Unbegrenztheit……und “kämpfe” für eine neue Welt…

    Liebe Grüße
    Chris

  3. zdago
    30. Juli 2009 um 21:36

    @„Im Kampf gegen …“

    bei Perry Rhodan gab es Tengri Lethos, einen Hüter des Lichts, und der hat folgendermaßen kommentiert:
    „Große Geister kämpfen nicht gegen etwas – sondern für etwas! Wofür kämpft du?“

    Mir hat der Gedanke gut gefallen.
    mfg zdago

    • anna
      1. August 2009 um 17:08

      Ja und Krishnamurtig hat gesagt: Was man bekämpft, das verstärkt man!

      Aber es ist natürlich viel leichter, gegen etwas zu sein. „Für“ etwas zu sein erfordert die Fähigkeit zur Vision, zu Fantasie, zum Träumen, denn schließlich soll das noch nicht Manifeste realisiert werden…

      „Unsere Seele wird entkräftet durch Ideologien…“

      Ja. Spiritueller Bankrott.

  1. 1. August 2009 um 16:21

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