Input-Direktwiedergabe

„Die jeweils Herrschenden sind aber die Erben aller, die je gesiegt haben. Die Einfühlung in den Sieger kommt demnach den jeweils Herrschenden allemal zugut. Damit ist dem historischen Materialisten genug gesagt. Wer immer bis zu diesem Tage den Sieg davontrug, der marschiert mit in dem Triumphzug, der die heute Herrschenden über die dahinführt, die heute am Boden liegen. Die Beute wird, wie das immer so üblich war, im Triumphzug mitgeführt“ schrieb Walter Benjamin und forderte, „die Geschichte gegen den Strich zu bürsten.“

Die Bundesrepublik Deutschland ist ein Rechtsstaat. Die politische Kaste, sowie die Sendemasten dieser Republik funken auf gleicher Frequenz die Heimatmelodie vom Recht auf Staat Rechtsstaat. Da soll doch mal jemand behaupten, die Einheit Deutschlands sei eine Illusion. Einheit haben wir, jedenfalls für einige, für alle fehlt uns das nötige Kleingeld. Wir in EUrabia sparen nämlich für EUropa. Fragen Sie mal nach dem Rechtsstaat.

Selbst im tiefen Suff schalten die Pöstcheninhaber existenziell – allein der Selbsterhaltung wegen – automatisch auf Input-Direktwiedergabe. Sagt Ihnen nichts? Das darf man sich wie ein Endlosband mit Autopilot vorstellen. Die richtige Antwort auf diese Frage müsste lauten: Die Bundesrepublik Deutschland ist laut Verfassungsauftrag ein Rechtsstaat. Aber was im Verfassungsauftrag geschrieben steht ist keine Tatsachenfeststellung, sondern ein Gebot der als Auftrag zu verstehen ist. Ob dieser Auftrag von den Beauftragten erfüllt wird oder ist, darf bezweifelt werden. Das es bezweifelt werden muss, darf ich nicht schreiben, denn es wäre nach Auslegung der Rechtsnorm, ein Aufruf, die demokratische Grundordnung zu gefährden. Ja, wer sein Recht nicht kennt oder in Anspruch nimmt, dem soll es auch nicht zustehen.

Der Staat und seine Behörden sind an Recht und Gesetz gebunden. Hält man sich daran? Eine Prüfung kann im »Grundrechte-Report 2007« nachgelesen werden. Dort steht, »In zahlreichen Fällen handeln Behörden nicht nur gegen Recht und Gesetz, sondern missachten auch Gerichtsurteile konstant. Folglich wäre es leichtfertig, etwa fest daran zu glauben, dass die BRD ein Rechtsstaat ist.« An dieser Stelle sollte man das Paragraphenreiten einstellen und realisieren, dass die Gesetze nur auf der Ebene der Unterwürfigen anzuwenden sind, weil wir das Unrecht – wie schon zu Zeiten Hitler-Deutschlands – einfach haben geschehen lassen, indem wir untätig zusahen (so wird es unseren Vorfahren jedenfalls vorgeworfen), den Kopf gebeugt und mehr als das Rückrat eines Regenwurms nicht zu bieten hatten. Irgendwie trifft es doch zu, wenn man sagt: Jeder bekommt die Regierung, die er verdient. Wir können jederzeit den Ton angeben, aber wollen wir das?

Dann ist das nichts anderes, als eine Einwilligungserklärung gedemütigt zu werden, Unrecht zu unterstützen, Kriege zu fördern, auf menschliche Werte zu verzichten und die Rente gegen Waffen für die Demokratiesierung so genannter Schurkenstaaten zur Verfügung zu stellen. So manches Bombenwetter zahlen nämlich die Deutschen Steuerzahler. Man könnte es auch anders ausdrücken: Wir hungern lieber, bevor der Krieg durch Ladehemmungen unterbrochen wird. Im Westen nichts Neues, schon damals das gleiche Bild, nur die Farben sind verblasst. So gab es in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts noch die Integrationsangebote von wohlmeinender Seite sozialer Arbeiterklasse, so gilt inzwischen die brutalste Logik des Marktes, die mit einfachen Worten nichts anderes besagt, dass der, der raus aus dem Geschäft ist, verrecken darf. Es gibt kaum noch gesellschaftliche Kräfte, die imstande wären, sich gegen diese Entwicklung zur Wehr zu setzen. Die wenigen die es tun, sind maßlos überfordert und kurz vor dem Sprung in den Wahnsinn: Beim Namen zu nennen, was ist, wird, wenn es überhaupt zur Kenntnis genommen wird, als paranoid bezeichnet. Kritisches Denken wird nicht mehr absorbiert, sondern erscheint als Symptom des gesellschaftlichen Auflösungsprozesses.

Kritisches Denken wird als ein fremdes Element wahrgenommen, das von außen kommt und wird als Feind betrachtet. Die orientierungslosen Massen, die Täter und Opfer zugleich sind, nicken den Prozess ihrer eigenen Liquidation fit for fun ab. Nur noch Spuren erinnern daran, was sie einmal gewesen sind. Dem Leistungsdruck dieser extremen Verhältnisse standhalten zu können, ist ein permanenter psychischer Ausnahmezustand erforderlich. Das menschliche Bedürfnis nach Wohlbefinden, Geborgenheit, Ruhe und sozialem Leben, wird nur noch ad absurdum geführt. Sie wissen nicht wohin sie gehen, weil man ihnen verwehrt, zu wissen, woher sie kommen. Die herrschenden Psychopathen sind auf gutem Wege, die entwickelten technischen Errungenschaften der Menschheit, gegen die Menschheit selbst einzusetzen.

Wozu sich so viele Menschen halten, wenn die Maschine doch ausreicht?

Die Michels und Michaelas müssen zumindest langfristig gesehen, irgendwie von der Landkarte gefegt werden, da kommt eine ‚OinkOink‚ Schweinegrippe mit anschließender (Hose runter rückwärts einparken) Zwangsinjektion gerade recht. Ja, die Menschheit hat führende Leistungen vollbracht. Zu dumm. Warum auch immer die Früchte in die falschen blutverschmierten Hände geraten müssen.

Die biologischen und medizinischen Verhältnisse wachsen und gedeihen. Es riecht sehr streng nach einer riesigen Kathedrale, in der die eingefrorenen Befehlsempfänger ihre starren Funktionen erfüllen. Alles wird eins und alles wird gleich. Das erinnert and die Borgs, in der Serie Star Trek. Während parallel zum historischen Faschismus, die Demokratie der Konzernstrukturen von Kommunikations-Designern mit Abschnitten im Gehirn erklärt wird und die nebelgrauen Herren bei Momo als vage Vorausahnung der heutigen Realität erscheinen, möchte man sich eine Kugel in den Kopf jagen, möglichst noch bevor man zum zuckenden amorphen Insekt in einer tiefgekühlten Legebatterie verschwindet.

Die Emanzipation wird nur durch Erinnerung möglich, denn ohne Erinnerung verschwindet die Fähigkeit zur Reflexion.

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  1. Helga Müller
    9. Juni 2009 um 17:20

    Freya Klier benannte ein 11. Gebot:
    DU SOLLST DICH ERINNERN
    Genau das ist es,was wir alle kultivieren und beherzigen sollten.
    danke für den Aufsatz

    • 12. Juni 2009 um 07:40

      Helga Müller,

      nicht Sie, sondern ich habe zu danken… von Freya Klier hatte ich bisher noch nicht gehört. Nach diesem 11 Gebot, muss es ein interessanter Mensch sein…

  2. zdago
    3. Juni 2009 um 21:56

    Gut gesprochen – und als Tüpfelchen auf das I:
    Suche einmal nach dem Begriff „Kriegssprache“
    – allgemein und lies einmal die Kurzfassung des Romans „Kriegssprachen“ von Jack Vance – sehr interessant, der Gedanke.
    Wurde übrigens schon verschiedentlich im SF angesprochen – wenn man kein Wort für etwas hat, kann man es weder Denken noch Tun.
    Das geht dann auch an den Hintergrund der Political Correctness.
    Viel Spaß !
    mfg zdago

  3. 3. Juni 2009 um 17:39

    „Na – das ist aber ein großes Wort.“

    Nicht mal das…es ist ein Wort, eine ausgelutschte Worthülse. Für die Masse ist es eine Nebenwirkung der Dekadenz. Dieses System handelt nämlich nach Jacques Derrida, dem jüdischen Philosophen.

    Er dekonstruiert zuerst die Sprache um danach die Traditionen, die Institutionen und die Gesetze verbal zu zerstören. Auf diese Art hat er all seine Fälschungen und Verhetzungen auf das Wort »Rasse« (vergleich mal was wikipedia zu „Rasse“ noch so alles einfällt) vokalisiert, bis er es geschafft hat, dieses Wort in ein Tabu per Excellanze zu verwandeln – und das aus gutem Grunde. Weil dieses Wort jenseits seiner wissenschaftlichen Begriffsbestimmungen, eine Metaphysik des Erbgutes und des Bodens enthält und die großen Geheimnisse des Lebens und des Schicksals innehat. Es ist daher kein Begriff, der das Leben in höhere oder niedere Wesen unterscheidet, sonder ein Begriff, den man von seiner Etymologie entfremdet hat.

    Je mehr die Sprache eines Volkes pervertiert wird, desto mehr wird auch sein Geist verfälscht.

    Mit besten Grüßen

    Andreas

  4. zdago
    3. Juni 2009 um 17:20

    @Die Bundesrepublik Deutschland ist ein Rechtsstaat.
    Na – das ist aber ein großes Wort. Kommt wohl sehr darauf an, wie man Recht definiert.
    Es ist wohl eher das Recht des stärkeren, verlogeneren und korrupteren.
    Im Warhammer-40000-Universum würde man vom Chaos verdorbene Gesellschaft den Space Marines übergeben und mit Schwert und Bolter vom korrumpierten Schmutz reinigen.
    mfg zdago

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