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Zahlen Sie bar oder mit Karte?

Josef Müller, Ex-Bürgermeister und Ex-Fraktionsgeschäftsführer der CDU, ist wie das Ex deutlich ausdrückt, von allen Ämtern zurückgetreten. Mit Bürgermeister Josef Müller ist das nach Ex-Fraktionschef Prof. Rolf Bietmann nun schon der zweite Politiker, der wegen eines Beratervertrages zum Rücktritt gezwungen ist. In Deutschland ist man hilfsbereit, es wird beraten was das Zeug hält. Diese Art der Hilfsbereitschaft finden wir nicht in der Versicherung Ihres Vertrauens, gleich um die Ecke. In der deutschen Politik ist das bereits in Fleisch und Blut übergegangen. Es ist Tradition geworden.

Aus Kreisen des Kontrollgremiums soll Müller zwischen 2001 und 2003 zulasten des Kölner Kreditinstitutes ein Honorar von dreimal 200 000 Mark bekommen haben. Als Gegenleistung sei vereinbart worden, dass sich Müller unter anderem an der Vorbereitung einer möglichen Fusion der Sparkassen Köln und Düsseldorf beteiligen und Kunden für „Venture Capital Fonds“ werben sollte. Ach, bevor ich das vergesse.

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Dieser neue Venture-Capital-Fonds wird in Start-up-Unternehmen der Biotechnologie investieren, die sich auf die Kern-Therapiegebiete von Merck Serono konzentrieren

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Dabei habe Müller doch vermutlich gar nicht gewusst, wie man das korrekt ausspricht, so hat sich dem Vernehmen nach ein Verwaltungsratsmitglied skeptisch gezeigt.

Die amtierende CDU-Spitze überrascht mit eigenwilliger Kommentierung: Müller habe immerhin rasch die Konsequenzen gezogen und die Sache öffentlich gemacht – sechs Jahre später. Wen soll das denn überzeugen? Und die Versorgungslücke, die sich für Müller auftat, hat er selbst verursacht; schließlich legte er den Posten als CDU-Fraktionsgeschäftsführer aus eigenem Antrieb nieder. Man fragt sich, ob der Tag kommen wird, an dem das Volk ihre Vertreter eine Straßenlaterne um den Hals wickeln? Wer diese Tradition von Lobbyarbeit nicht länger ertragen will, kann und darf sich mit Amtsniederlegungen aus „eigenem Antrieb“ zufrieden geben. Kriminelle Energie muss so behandelt werden, wie es sich für Interesssenvertreter mit Auftrag zum Ausverkauf deutscher Infrastruktur gehört.

Ein Volkstribunal – vom Volk und FÜR das Volk.

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Vollbild

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Bericht zur Reportage WDR – „die story“

März 2009 Seit Wochen ist die Sparkasse KölnBonn in den Schlagzeilen wegen dreistelliger Millionenverluste, undurchsichtiger Geschäfte und dubioser Beraterverträge, die während der Amtszeit des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Gustav Adolf Schröder abgeschlossen wurden. Der neue Sparkassenchef Arthur Grzesiek hat diese Vorgänge jetzt eingeräumt und sich öffentlich bei Mitarbeitern, Kunden und Bürgern entschuldigt. „Ich schäme mich für das, was ich hier vorgefunden habe.“ Besonders die millionenschweren Beraterverträge mit Kölner Politikern haben die Bürger der Stadt empört. Die Gegenleistungen sind umstritten. Dadurch konnte in der Öffentlichkeit der Eindruck entstehen, einflussreiche Politiker wären mit Hilfe des kommunalen Kreditinstituts mit Millionensummen versorgt worden.

Seit über einem Jahr lässt die Sparkasse KölnBonn die Vorgänge durch Wirtschaftsprüfungsgesellschaften aufklären. Nachdem das Kreditinstitut der Kölner Staatsanwaltschaft ihre Prüfberichte übergeben hat, wurden Ermittlungsverfahren eröffnet gegen den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Schröder, den inzwischen zurückgetretenen CDU-Bürgermeister Josef Müller sowie den Kölner CDU-Politiker Prof. Rolf Bietmann, der als langjähriger Verwaltungsratsvorsitzender seinerzeit den Vorstand kontrollierte. Die Story-Autoren Ingolf Gritschneder und Georg Wellmann verfolgen in der Dokumentation neue Spuren. Bei ihren Recherchen stoßen sie auf ein Geflecht von Firmen und Verträgen, die offenbar dazu dienten, Geldzahlungen zu verschleiern.

Erst nachdem Schröder 2007 vorzeitig aus seinem Amt ausschied, wurde das ganze Ausmaß der Verluste bei der Sparkasse deutlich. Allein dreistellige Millionenverluste stammten aus dem Kölner Messegeschäft, welches Schröder mit den Privatinvestoren des Oppenheim-Esch-Fonds eingefädelt hatte. Die beiden Autoren hatten bereits in drei früheren Story-Folgen herausgefunden, dass die Sparkasse den vermögenden Privatinvestoren das Milliardengeschäft verschafft hatte. Die Risiken und Verluste aus dem Geschäft, die immer deutlicher werden, müssen letztlich der Steuerzahler tragen. Für diese Recherchen wurden Ingolf Gritschneder und Georg Wellmann für den Grimm-Preis 2009 nominiert. Die Spur von einigen der jetzt aufgetauchten Beraterverträge führt zu dem Messegeschäft.

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Quellen:

http://video.google.com/videoplay?docid=2444918297487326345&hl=undefined

rundschau-online.de/html/artikel/1233148780652.shtml

rundschau-online.de/html/artikel/1233594804916.shtml

  1. Thomas
    19. April 2009 um 12:01

    • 19. April 2009 um 21:54

      Lieber Thomas,

      die Kommentarfunktion ist eigentlich dafür gedacht, sich auf den Artikel zu beziehen. Wer auf (wie in diesem Fall) interessanten Video oder anderen lesenswerten Artikel aufmerksam machen möchte, kann das gerne tun – doch bitte mit ein paar Worten die wenigstens darauf hinweisen worum es geht!

  1. 21. April 2011 um 15:03

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