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Szenario der Gerechtigkeit

Stellen wir uns für einen Moment vor, wir nehmen eine Gruppe von ernstzunehmenden und verantwortungsbewussten Bürgern, und bilden mit ihnen ein ‚Gericht für hypothetische Streitfälle‘, wie es aus dem Jurastudium bekannt ist. Angenommen wir gebrauchen einen echten Richter für den Vorsitz im Gericht, echte Anwälte, die sich gegenüber stehen, und echte Polizeibeamte um auszusagen. Wir bringen die Polizisten dazu, eine Anklage wegen Drogenbesitz zu erfinden, und wir suchen uns per Zufall Max Mustermann aus der Gruppe der Vorbildsbürger aus, der den Angeklagten spielt. Die restlichen Bürger werden eingeschworen, befragt, und ein Geschworenengremium wird ausgesucht. Der Prozess beginnt.

„Erhebt euch, das hypothetische Gericht in dieser Rechtsprechung wird jetzt gehalten. Der ehrenwerte Richter Redlich führt den Vorsitz.“ Der Fall wird ausgerufen: „Der Staat gegen Max Mustermann.“ Die Anklage: „Das Verbrechen des Besitzes von Kokain, einer kontrollierten Substanz, ein Gesetzesbruch laut Paragraf …usw.

Wie bekennen Sie sich?“ „Nicht schuldig, euer Ehren.“

Die Polizei wird in den Zeugenstand gerufen; Laborberichte werden als Beweise herangezogen. Der Fall gegen den Angeklagten entwickelt sich, die Verteidigung ist lahm, sie besteht hauptsächlich aus der berühmten „Lügen, Lügen, nichts als Lügen-Strategie. Die Anwälte präsentieren ihre Schlussresumès, und die Geschworenen ziehen sich zur Beratung zurück.

Die Geschworenen kehren zurück, der Angeklagte erhebt sich, wird schuldig gesprochen, und zu fünf Jahren Gefängnishaft verurteilt. Alles in Allem eine erfolgreiche Demonstration des Rechtssystems bei der Arbeit — so real wie wir es nur darstellen konnten. Nach dem Prozess sprechen wir mit den Geschworenen. Einer Person berichten Sie, sie seien überzeugt, dass der Gerechtigkeit genüge getan wurde: sie haben die gesamte Beweisführung genau verfolgt, haben die Glaubwürdigkeit jedes Aussagenden abgewogen; sie waren so gerecht und unparteiisch, wie sie nur sein konnten. Sie haben alle ein gutes Gefühl mit der Entscheidung, die sie getroffen haben.

Es ist sehr einfach, sich dieses ganze Szenario vorzustellen.

Da ist nur ein klitzekleines Problem: Tatsächlich wusste jeder im Raum, dass Max Mustermann unschuldig war. Sie wussten alle, dass die Anschuldigungen gegen ihn eine einzige Erfindung waren, und dennoch verurteilten sie ihn nicht nur, sondern fühlten sich auch noch gut dabei!

Halten Sie hier, und denken Sie für ein paar Sekunden über die Auswirkungen dieser letzten Beobachtung nach…

Wenn Sie den Grips haben, meinen Worten zu folgen, und auch genug intellektuellen Anstand zuzugeben, dass es ihre Schuld war, wenn Sie einen Sonnenbrand bekommen haben, dann können Sie nur zu einer einzigen Schlussfolgerung kommen. Wenn das Rechtssystem es einem erlaubt sich gut zu fühlen, indem man jemanden verurteilt, während man weiß, dass er unschuldig ist, und man weiß dass der Fall gegen ihn ein Sack voller Lügen ist, dann ist das Rechtssystem schlimmer als unbrauchbar. Eine Teilursache dessen, weshalb die Geschworenen ein gutes Gefühl über ihr Urteil haben ist, dass eine Jury wegen ihrer Isolierung, ein selbstbezogener Körper ist. Mit „selbstbezogen“ meine ich folgendes: Angenommen, man will die Genauigkeit eines Lineals dadurch feststellen, indem man es durch selbiges misst. Hoffentlich ist es für jeden offensichtlich, dass eine Messung eines Lineals durch das selbige immer eine Genauigkeit nach dem Ausmaß ergibt, nach dem man es misst; unabhängig davon, wie lächerlich ungenau es in Wirklichkeit sein mag. Ein Richter oder Geschworene werden sich immer glücklich über ihr Urteil fühlen, egal wie absurd dieses Urteil wirklich ist, da die einzige Norm, mit der sich ein Richter oder Geschworene bewerten müssen, Sie selbst sind.

Wenn es so etwas wie eine glaubwürdige Lüge gibt, ist es dann nicht möglich, dass es auch so etwas wie eine unglaubwürdige Wahrheit gibt?

Bedenken sie, was der Wissenschafter, der als erster entdeckte, dass feste Materie hauptsächlich aus Vakuum besteht, durchmachte, den Leuten seine Entdeckung zu erklären. Sicher wird jemand versucht haben, ihm die Festigkeit von Stahl zu beweisen, indem er ihm mit einem 4Kant-Stahl eins über die Birne zog. Tatsache ist aber, wenn der Wissenschafter, der die Entdeckung gemacht hat, nicht die persönliche Stärke gehabt hätte, andere von der Wahrheit seiner unglaubwürdigen Entdeckung zu überzeugen, würden wir heute nicht wissen, dass Materie weitestgehend aus Leerräumen besteht.

Was ich hier zu sagen habe ist unglaubwürdig, und fühlt sich nicht richtig an, hauptsächlich weil es fremdartig ist, nicht weil es irgendeine Fehlerhaftigkeit beinhaltet. Es ist Teil der Realität, dass jeder neuen Entdeckung ein Hauch (oder auch zwei) von Unglaubwürdigkeit anhaftet, bis sie geläufig genug ist um akzeptiert zu werden. Wäre eine neue Entdeckung sofort geläufig, hätte sie nur sehr begrenzten Wert; sie hätte nur wenig Neuland preisgegeben.

Tatsächlich ist es die Vertrautheit zum Rechtssystem, welche eine Atmosphäre der Glaubwürdigkeit für die Lügen verbreitet, auf denen es aufgebaut ist. Um zu sehen, wie wir uns dorthin entwickelt haben, wo wir heute sind, würde es nützlich sein, die Geschichte des Rechtssystems zu untersuchen. Vor tausenden Jahren entschieden sich die guten Menschen dazu, ein System zu erschaffen, welches Ihnen versichern würde, dass die Menschen das bekommen, was sie verdienen. Stellen sie sich kurz vor, sie seien eine böse Person. Wie würden sie auf ein solches System reagieren? Ich denke, es würde Sie sehr beängstigen. Wenn die Menschen das bekommen, was sie verdienen, würden sie in Öl gebraten werden!

Wenn sie nun böse und klug wären, würden sie nicht alles in ihrer Macht stehende tun, um die Leitung dieses Systems zu übernehmen, damit sie sicher gehen, dass keine wirkliche Gerechtigkeit jemals stattfindet? Behalten sie im Gedächtnis, dass böse Menschen keine Schilder tragen mit der Aufschrift: „Hasst mich, ich bin böse!“ Sie tun alles was sie können, um als ganzes in die Gesellschaft zu passen. Hinsichtlich dessen ist es nicht allzu überraschend zu sehen, dass das Böse tief involviert war bei der Entstehung unseres heutigen Rechtssystems.

Vor vielen Jahren gab es ein System der ‚Gerechtigkeit‘, das durch Gottesurteilsprozesse bekannt ist. Ein Beispiel für einen Gottesurteilsprozess war es, ein rotglühendes Eisen an die Zunge des Angeklagten zu halten. Die glaubwürdige Lüge, welche dieses Verhalten rechtfertigte war: Wenn der Angeklagte lügt, würde er einen trockenen Mund haben und somit vom Eisen verbrannt werden, während eine ehrliche Person hingegen, einen feuchten Mund haben würde und somit beschützt wäre.

Das derzeitige Rechtssystem ist ein Abkömmling solcher Geister, es ist nun sehr viel klüger und nicht mehr so offensichtlich böse als jenes, das es einmal war.

  1. Thomas
    5. April 2009 um 16:16

    Nachdem ich Obamas Rede in Prag heute genau verfolgt habe, bin ich der Meinung, dass ein neuer Stalin für die Menschheit von der NWO produziert wurde.
    Die Völker Europas sind Lämminge und werden es erst merken, wenn es zu spät ist.
    Denkt an meine Worte!

  2. zdago
    5. April 2009 um 09:55

    @Gottesurteilsprozesse
    In der Inquisition gab es den Schönen Brauch, mutmaßliche Hexen gefesselt in einen See zu werfen. Sind sie ertrunken, waren sie Unschuldig und ihre Seele war gerettet, blieben sie oben, waren sie des Teufels und wurden verbrannt.
    Es ist nicht das Rechtssystem, sondern es sind seine Vertreter, die es für ihre Machtpolitik mißbrauchen und schänden.
    Wenn diese käuflich und korrumpiert ist, verliert das System seinen Wert – wie in dieser Bananenrepublik derzeit zu beobachten.
    Von der Anwendungsqualität gehen wir heute in Richtung finsterstes Mittelalter !
    mfg zdago

    • Die Gedanken sind Frei
      5. April 2009 um 18:25

      Hallo zdago

      „Es ist nicht das Rechtssystem, sondern es sind seine Vertreter, die es für ihre Machtpolitik mißbrauchen und schänden.“

      Ich glaube das es sehr wohl auch die Schuld unseres sogenannten Rechtssystems ist, das diesen sogenannten Vertretern überhaupt erst ihre Macht gibt.

      Von der Anwendungsqualität gehen wir heute in Richtung finsterstes Mittelalter !

      Da sind wir schon nur sehr viel intelligenter Verpackt.

      MfG
      Die Gedanken sind Frei

      • zdago
        5. April 2009 um 21:44

        Hallo,
        @Ich glaube das es sehr wohl auch die Schuld unseres sogenannten Rechtssystems ist, das diesen sogenannten Vertretern überhaupt erst ihre Macht gibt.
        Den Gedanken habe ich auch lange verfolgt, aber inzwischen bin ich überzeugt, daß es nicht das System ist. Was ist überhaupt „das System“?- außer einer Ausrede.
        Die Gesetze bieten immer mehrere Möglichkeiten – die Bewertung. Und die Maßstäbe und Absichten der Anwender lassen den einen frei und bringen den anderen is Gefängis oder zu Tode.
        Es sind die Anwender, die es durch ihre Interpretation gut oder schlecht machen.
        mfg zdago

        • Die Gedanken sind Frei
          7. April 2009 um 23:47

          Ich kenne (aus leidvoller Erfahrung) kein Gebiet des “Rechts”-staats BRD, in welchem so viel Korruption und Ignoanz wohnen. Worte des Richters i. R., Frank Fahsel, Süddeutsche Zeitung v. April 2008:
          “… überkomt mich tiefer Ekel vor meinesgleichen.”
          Wer soviel Macht in die Hand bekommt wie ein Richter, der bedarf eines äußerst aufrechten Charakters, um mit dieser Macht aufrecht umgehen zu können, dies dürfte bei den Wenigsten gegeben sein.
          Die eigentlich richtige und gesetzlich festgeschriebene “Unabhängigkeit des Richters” mutierte nahezu zu einem furchtbaren Instrument des Machtmissbrauches und der Willkür, wie kann es auch anders sein, wenn das Kontrollorgan der Justiz die Justiz ist? (s. Frank Fahsel).
          Nahezu kein Mensch kann, mit einem solchem Attribut der Macht versehen, korrekt und anständig agieren, ohne dass ihn Größenwahn und Bestechlichkeit einholen.

          Klar sind es natürlich im Grunde die Anwender, die etwas gut oder schlecht machen. Doch leider sind es zum größten Teil immer Menschen, die das oben genannte ausnützen wollen und so einen Posten dann natürlich anstreben. MACHTWAHN!!!
          Klar wäre es super wenn nur Menschen in diesem Beruf arbeiten würden, die wirklich Recht sprechen wollen. Doch das ist leider nicht die Realität. Wäre es so gebe es z.B. keine BRD mehr und wir hätten eine Verfassung. Oder schau dir nur mal das Einführungsgesetz zum Gerichtsverfassungsgesetz, Zivilprozessordnung und Strafprozessordnung an, dann ist glaube ich alles klar.

          MfG
          Die Gedanken sind Frei

  3. Helga Müller
    5. April 2009 um 09:13

    Ein treffender Beitrag. Ähnliches las ich in dem Buch MORAL UND HYPERMORAL von Arnold Gehlen, der auch Bereiche außerhalb der Justiz im Blick hatte.
    Danke für den verständlichen Aufsatz.

  1. 6. April 2009 um 08:19

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