Startseite > Allgemein > 3,50 die Stunde

3,50 die Stunde

Er kommt überall hin und er macht alles! Und er macht es für 3,50 die Stunde! Er hat nichts gelernt, denn sonst wäre er zu teuer. Heute ist er in München, morgen in Amsterdam. Natürlich schläft er nach seinem 19-Stundentag im Auto, keine Frage. Ob er was können muss? Arbeiten und seinen Mund halten, das reicht, und solange er billig ist, kann er bleiben. Nun eine Woche, 3 Tage, wer weiß. Wer 3,50 die Stunde wert ist, der muss auch so behandelt werden, das weiß auch sein Chef. Arbeitsverträge, Mindestlöhne und am Ende noch Tarifbestimmungen – an dem Ballast trägt dieser schon lange nicht mehr. Als moderner Tagelöhner weiß er, wo es lang geht in Deutschland! Er ist der Streikbrecher, der Austauschautomat, ein Kurz-Zeitarbeiter. Aber er wird betreut, das Arbeitsamt steht im tapfer zur Seite und sorgt mit Sperrfristen und Abmahnungen für Abwechslung. Er weiß, wenn er nur will, dann bekommt er immer wieder Arbeit, er muss halt nur runter mit seinem Preis. Dass er behandelt wird wie Vieh, stört ihn schon lange nicht mehr, ihm reicht die warme Mahlzeit und danach das Bett. Immer auf’m Sprung, immer auf Abruf, ja, schnell ist unsere Zeit geworden.

Schnell ist sie – und seit 10 Jahren läuft sie nun auch im Osten rückwärts. Denn der Kurs ist gesetzt, zurück zum Kapitalismus in Reinform, weg mit den letzten kümmerlichen Resten der sozialen Marktwirtschaft. Ungehemmte Ausbeutung und fette Beute für die Lackschuhe. Schlangen in den Arbeitsämtern, ein Staat der unbeholfen ausführt, was Konzerne ihm diktieren. Derweil das Volk stempeln geht, marschiert man in fremde Länder ein und träumt von Osterweiterung und Großdeutschland. Da fließt das Geld, Krieg ist Ehrensache, da wird nicht gespart. Schwarzmalerei? Bittere Wahrheit! Schließungen, Konkurse, Insolvenzen, Aussperrung ganzer Belegschaften. Doch Arbeit ist da keine Frage, jeder kann, wenn er nur will! Pack die Koffer und reiß dein Häuschen nieder, 1000 km der Nase nach, da treffen wir uns wieder. Und wenn’s gerade reicht, um satt zu werden, dann ist’s schon fast wieder zu viel. Man muss halt umdenken … trötet der Dozent vom Arbeitsamt. Ob jung ob alt, entweder man geht gen Westen oder bleibt arbeitslos. Stellen sind knapp, besonders in der Kolonie, da nimmt man, was man kriegt. Die Stütze, das Arbeitslosengeld, das ohnehin hinten und vorne nicht reicht, wird zum Epressungsmittel.

Demzufolge wird das Arbeitsverhältnis, was ohnehin bestenfalls ungerecht war, zur legalisierten Erpressung. Geschützt durch den Staat, unterstützt durchs Arbeitsamt, das dem Arbeitnehmer keine Möglichkeit einräumt zu kündigen, kann sich jeder Chef austoben wie er will. Es sind goldene Zeiten für die Ausbeuter, mehr und mehr können die Herren dem Arbeitnehmer aufzwingen, katastrophal niedrige Löhne, riesige Entfernungen, nicht selten Tagesreisen zum Arbeitsort, ein Maximum an Arbeitszeit, ein Minimum an Freizeit. Diejenigen, die Arbeit haben, können sich vor Überstunden nicht retten, der zu Hause sitzende Rest schaut in die Röhre, meistens in die Fernsehrröhre, in der alles noch in Ordnung ist. Ein Wahnsinn, der darin begründet ist, dass Profit statt Vernunft dieses Land leitet. Am härtesten trifft es den Osten, längst ist der Bauboom dem Bau-Sterben gewichen. Fabriken und Werkstätten gibt es ohnehin nicht mehr, in denen man noch eventuell arbeiten könnte. Die, die es noch gibt, kämpfen hart um ihr Überleben oder schieben nur das Unvermeidlich vor sich her. Eine Region der Handelsketten, ein einziger Absatzmarkt, aber auch der Konsumrausch ist abgeflaut.

Wer keinen Groschen in der Tasche hat, der muss ihn dreimal umdrehen, das bekommt der Einzelhandel zu spüren. Doch alles ist schön bunt und renoviert, die Fassade glänzt. Wer leben will und nicht gerade Rente oder einigermaßen Geld vom Amt bekommt, muss gehen. Doch hier in den neuen Bundesländern gab es auch mal andere Zeiten. Angesichts dessen, was für den Arbeiter in der DDR getan wurde – sicheres Auskommen, Recht auf Arbeit und Lehrstellen, Sozialleistungen, Versorgung, Unterstützung der Arbeiter und seiner Familie auch nach Feierabend – angesichts all dessen lässt sich erahnen, wie weit man die Uhr zurückgedreht hat seit der Wende. Es wird wohl lange, sehr lange dauern, wenn überhaupt, bis man wenigstens da wieder ankommt, wo man einst schon war. Doch dazu ist es nötig Weichen zu stellen anstatt weiter und weiter auf alten Gleisen ins Tal zu rollen.

  1. 29. Januar 2009 um 23:00

    Die vorigen Kommentare waren fast noch besser als der Artikel.
    Möglicherweise bin ich auch ein Bruder im Geiste, den ich glaube auch an eine gewaltlose Revolution.
    Ich habe einen Blog dazu.
    Wir fangen unsere Revolution mit dem Bau eines 300 Watt Windgenerator an, montierbar auf einer Satellitenschüsselstange ;)
    So unser Konzept und unsere Zeichnungen,
    angefangen haben wir im Dezember.
    So wollen wir in kleinen Schritten weg von der Industrie.
    Ich mache mir Zahncreme selber seit einem Monat, und Anfang Februar gibt es mal ein Tag Essen aus dem Wald und Wiese :)
    Für jede Krankheit gibt es ein Kraut, ich brauche keine Apotheke:
    http://info.kopp-verlag.de/news/gruener-tee-gegen-krebs-und-andere-lebensbedrohliche-krankheiten.html
    Seit fast zwei Jahren betreibe ich aus Revolution die Kräuterkunde, trinke meinen selbstgepflückten Tee.

    Ich versuche mit kleinen Schritten mich selbst von der Industrie zu lösen, wenigstens Wege aufzuzeichnen.

    Verzicht und Kreativität sind Revolutionen,
    und natürlich das Aufklären von den Menschen.

    Aber ich glaube das die Revolution wohl auch viele Wege gehen wird. Als alter Handwerker gehe ich nicht mehr auf die Strasse, aber mit meiner Form der Revolution mache ich weiter.

  2. moltaweto
    23. Januar 2009 um 23:29

    Hallo allerseits …

    @Andreas … erst mal danke für das „Enthuntzen“ meines Kommentars :-)

    Ansonsten möchte ich nur auf den Begriff Widerstand und seine in der Tat zwiespältige Wirkung auf Menschen unterschiedlicher moralischer, ethischer und intellektueller „Ausrichtung“ eingehen. Ob man in unserem Land noch die Kurve hinbekommen kann, ohne dass es dabei zu gewalttätigen Eskalationen kommt, vermag ich auch nicht abzuschätzen – ich weiß nur, dass ich persönlich alles versuchen möchte, um das zu verhindern. Ebenso richtig ist es, dass im Internet eine ganze Reihe von „Scharfmachern“ ihr Unwesen treiben … sicher nicht nur braune Ewiggestrige!

    Insofern denke ich, dass wir diese Fragen nur beantworten und gleichzeitig Einfluss auf die dahinter stehenden Entwicklungen nehmen können, wenn wir endlich aktiv werden und alle friedlichen, demokratischen und legitimen Mittel dafür nutzen.
    Noch geht das … aber wie lange noch?

    Alles Weitere dazu und über verwandte Themen bespreche ich aber lieber über andere Kanäle, weil ich langsam leichte Ermüdungserscheinungen in Sachen Schreiben an mit feststelle :-( … ;-)

    Gruß
    Hans.

  3. RGB
    23. Januar 2009 um 19:43

    Ich möchte noch anfügen, dass Diejenigen, die russischen Verhältnissen und einem Einmarsch Russlands entgegenfiebern sich mal Gedanken darüber machen sollten wie gerecht denn ein System ist, in dem ein „kleiner“ Mann innerhalb von 8 Amtsjahren 44 Milliarden USD anhäufen konnte, während es ausserhalb dieser Machtzentren immer noch Hunger gibt.

    MfG

    RGB

  4. RGB
    23. Januar 2009 um 19:29

    Hallo Andreas Helten,

    ich merke wir haben durchaus ähnliche Erfahrungen machen dürfen, das schliesse ich schon aus Deinem ersten Absatz.

    In der Tat ist es manchmal schwer und führt zu vielen Verwirrungen, wenn sich Gefühle und Emotionen eines Schreibers hinter einem Posting verstecken. Aber das lässt sich durchaus beheben wenn man seinem Gegenüber die Chance dazu lässt, spätestens nach dem x-ten Posting kann man sich auf dessen Wellenlänge einstellen. Vorraussetzung ist aber, man hat das nötige Durchhaltevermögen.

    Und, natürlich darf und muss man Widerstand leisten, auch gegen ein anerzogenes Unrecht aus verangener Zeit. Nur, hier könnte natürlich auch der Hund im Pfeffer liegen, warum wird uns dieses Unrecht so penetrant aufgezwungen?

    1. Ist eine Zeit von ~60 Jahren wirklich schon als lang anzusehen, gerade und auch bezogen auf die Menschheitsgeschichte?

    Man sollte das vielleicht etwas ins Verhältnis rücken, vielleicht mit dem Vergleich eines grösseren Unrechts das einem selbst wiederfahren ist und der Zeit, die man benötigte um Dieses zu verzeihen.

    2. Ist es natürlich auch annehmbar, dass gerade dieses Unrecht irgendwann noch einmal gebraucht wird, was ich natürlich nicht gänzlich ausschliessen möchte.

    Dazu fällt mir immer wieder die Frage ein, warum rechtsradikale Ansichten mit Meinungsfreiheit gleichgesetzt wird, an andere Stelle aber stillschweigend und heimlich Freiheitsentzug vollzogen wird.

    Ich möchte mich natürlich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, genaues weiss ich nicht, das sind eher Vermutungen.

    Ich glaube z.Z. auch nicht, dass es friedlich bleiben wird, viele wird es freuen endlich mal Action zu machen, ein kurzzeitiges Gefühl der Freiheit, aber ich traue dem Braten nicht!

    Wenn es zu Unruhen kommen sollte, dann nur aus dem einem Grund, einer neuen Diktatur. Und das schreibe ich aus dem Gefühl heraus, wobei mein Gefühl mich seit 39 Jahren noch nie im Stich gelassen hat.

    Gerade aus der rechten Szene ist es verdächtig ruhig geworden, in den letzten Monaten.

    Um nochmal auf den Punkt des Widerstandes zu kommen, eine friedliche Revolution beginnt im eigenen Kopf / im eigenen Geist. Sofern man diesen in den Griff bekommt, wird alles weitere von allein kommen.

    Einen Anfang könnte der Entzug von dem sein, was auch sie zum überleben brauchen, das Geld.

    Du darfst mich gern auch Duzen.

    MfG

    RGB

  5. 23. Januar 2009 um 18:32

    °° Hallo RGB,

    ich bin froh, sich mit Ihnen auf diesem Niveau zu unterhalten. Das es schwerer ist, etwas nicht in den falschen Hals zu bekommen, wenn man lediglich liest was der andere schreibt – ohne Gesichtsausdruck und Stimme, die oft entscheident ist, wie jemand das gesagte/geschriebene aufnimmt.

    Was mich etwas in die irre führte : Sie haben den Widerstand mit der Deutschen Geschichte in Verbindung gebracht, als dürfte man wegen der Erbschuld, die uns medienwirksam anerzogen und angelastet wird, nichtmal gegen das Unrecht Stellung beziehen – was gleichzeitig auch der Anlass für den Kommentar war.

    Ein schönes Beispiel für: Nur „sprechenden“/schreibenden“ Menschen kann geholfen werden. :=)

    Das ich Sie nicht vergrault habe (rabiat formuliert ohne danach nochmal zu lesen was ich schrieb)- ist sehr erfreulich.

    Ich habe den Teil den Sie ansprechen, wirklich nicht falsch verstanden. Ich lehne ebenfalls, jede Art von Gewalt ausdrücklich ab.

    Aufstände hört sich schon eher nach handgreiflichkeiten an, aber mal ehrlich – halten Sie eine friedliche Entmachtung eines Parteiesystems, welches seit über sechzig Jahren ein Nest der Korruption aufgebaut, gegen die eigene Bevölkerung einen politisch-wirtschaftlichen Kollaps herbeigeführt hat, für möglich? … Ich wünschte ich könnte darauf hoffen. Doch ich glaube nicht daran, dass es friedlich bleiben wird.

    Herzlichen Dank nochmal!

    Andreas

  6. RGB
    23. Januar 2009 um 16:53

    Hallo Andreas Helten,

    auch mein Posting sollte „keinesfalls“ als Angriffskrieg deiner Meinung zu sehen sein. Ich befinde mich im Großen und Ganzen als „Bruder im Geiste“.

    Das eigentliche Problem dass ich aber sehe ist, im Netz wird radikalisiert und zu Aufständen aufgerufen. Viele können diese Gefühle nachvollziehen, so sind es aber genau diese Rattenfänger, die den falschen Widerstand herbeibeten, Gründe, auch wenn sie Dir nicht passen mögen, dürften bekannt sein. Der Deutsche ist keine echte Führungsperson, er möchte geführt werden, das weiss und schätzt man in vielen Kreisen. Aus diesem Grund schon, sollte man die Geschichte nicht ausser acht lassen.

    Nur diesen einen Widerstand habe ich versucht, anzuprangern und sich von genau Diesem zu distanzieren, denn diese Art von Widerstand wird nicht zu unserer Befreiung beitragen, zumindest nicht mehr in der heutigen Zeit. Vor 200 Jahre sähe das vielleicht noch etwas anders aus …

    Die Frage die natürlich bleibt, welche Art von Widerstand sollte man nun einschlagen und welcher Widerstand führt zum gewünschten Erfolg.

    Bei der Frage des Erfolges muss ich vorerst eine Antwort schuldig bleiben, da auch ich erst am Ende feststellen kann, ob es nun sinnvoll war oder eben nicht.

    MfG

    RGB

    PS. In diesem Land spricht schon lange keiner der Führungspersonen mehr in meinem Namen, auch nicht unter dem Deckmantel der BRD.

  7. G. G.
    23. Januar 2009 um 05:57

    Unsere Großväter und Großmütter, unsere Väter und Mütter haben das „Dritte Reich“ oder dessen verherrenden Folgen miterlebt und ausbaden müssen. Das wenige, was ich von der Erlebnissen meinen Eltern weis, es war so furchtbar, das schon das wenige zu viel für eine Menschenseele ist.

    Überall werden wir heute dazu angehalten, dass das „Dritte Reich“ nicht wieder passieren darf. Wir dürfen auf das ganze Wissen über diese Zeit zugreifen! Wir dürfen uns darüber austauschen! Und gerade das macht es ja so schlimm. Es wissend und ohnmächtig miterleben zu müssen, das es sich wiederholt.

    Den Mächtigen will ich keine Macht geben, denn sie sind es nicht wert. Das Volk (ein großer Teil davon) hat nur eines im Sinne. Die Fußball-WM! Und darin fühlen sie sich wohl. Diese Erkenntnis wiegt viel schwerer.

    Gegen die Masse, da bringt mir all das gesammelte Wissen nichts:

    Anm. Links auf Wunsch G.G. aktualisiert – Andreas – 11:47 23.Jan 2009*

    Neuordnung der Monopole
    http://www.jungewelt.de/2009/01-17/015.php

    Hitler als Vorläufer
    http://ad-sinistram.blogspot.com/2008/12/hitler-als-vorlufer.html

    Du bist Deutschland
    http://de.wikipedia.org/wiki/Du_bist_Deutschland

    Kurt Tucholsky
    http://www.textlog.de/tucholsky-recht-bleiben.html

    @Andreas

    Ich habe mich früher auch an Tätigkeiten beteiligt, denen ich heute sehr kritisch gegenüberstehe. Vielleicht war das bei Herrn von Weizsäcker ähnlich. Genauso zwiespältig war z. B. Robert Oppenheimer</A. Er gilt als der Vater der Atombombe und hat sie später verurteilt.

  8. 23. Januar 2009 um 01:09

    °° Hallo RGB,

    ich möchte mich erstmal für Ihr Kommentar bedanken. Bei der Gelegenheit halte ich eine Gegendarstellung unbedingt für angebracht.

    Wenn Sie der Ansicht sind, dass Widerstand mit Vorsicht zu verstehen ist, Angriffskriege der US-Militärs von deutschen Boden aus, jedoch geduldet werden, sollten wir uns auch die Frage stellen, ob das mit unserer Geschichte zu verantworten oder zu rechtfertigen ist? Ganz sicher nicht. Die Geschichte aus vergangenen Tagen hat weder etwas mit meiner Geschichte noch mit der meiner Kinder zu tun. Wir erben sozusagen die Taten aus einer Zeit in der ich nicht mal gelebt habe. Was hat das mit heute zu tun? Nichts…Menschen sterben, weil Deutschland dies finanziert, toleriert und duldet (also Sie und ich, wir alle – aus Steuergeldern). Unsere eigene Regierung ermöglicht Völkerrechtswidrige Kriege die nicht im Sinne der Deutschen sind und auch nicht sein dürfen – das sollte erstmal in die Thematik mit eingebaut werden, wenn wir darüber sprechen, dass Widerstand mit Vorsicht zu geniessen sei. Wo liegt denn die “Macht” und “Gewalt” in erster Instanz, wie Sie so schön schreiben?

    Und welches Bild geben die Deutschen denn ab, wenn wir genau das geschehen lassen, was wir doch eigentlich verhindern sollten?

    Von Deutschland darf kein Krieg mehr ausgehen (!) , erinnern Sie sich an diese Worte? Heute ist Widerstand mehr denn je nötig um der Geschichte gerecht zu werden. Wenn wir zulassen, was heute von diesem Land aus passiert, dann ist es erst recht ein Grund, um uns an den Pranger zu stellen. Das Problem ist die BRD, denn sie handelt nicht im Sinne des Volkes und des Friedens auf Erden schon mal gar nicht. Die BRD unterstütz die Kriege weil wir es zulassen. Mit der verrotteten Geschichte (über 60 Jahre her) aus vergangenen Tagen und begangen vor vielen Generationen, brauchen Sie mir nicht kommen.

    Deshalb sollte man Vorsicht walten lassen, wenn man zum Krieg ausruft – denn das tut man wenn man ihn toleriert.

    Die „geschichtlichen Führer“ haben mit der heutigen Situation und auch mit den Menschen nichts zu tun. Wir müssen mal diese Denkschablonen, die man uns seit Jahr und Tag immer und immer wieder um die Ohren haut, ablegen und uns dem eigentlichen Problem zuwenden. Das denken wieder lernen, einen eigenen Kopf haben und diesen auch benutzen, anstatt zu sprechen, bevor der Kopf nicht arbeitet. Um den Brei herumreden ist das einzige Mittel wenn der Mangel an Argumenten anheim fällt. Bitte verstehen Sie das nicht als Angriff oder persönliche Bosheit meinerseits, sondern betrachten Sie alles aus einem neutralen Abstand – und sie erkennen den Widerspruch in sich selbst.

    „Widerstand ist nicht gleich Widerstand“
    – So ist es –

    Das von anderen Ländern die deutschen Geschichtsbücher geschrieben wurden und werden, nur mal am Rande.

    Dank und Gruß,

    Andreas

  9. RGB
    22. Januar 2009 um 23:16

    Naja, ganz so pessimistisch sehe ich das eigentlich nicht.

    Das die Mehrheit „der“ Deutschen augenscheinlich keinen Widerstand leistet und „Obrigkeitshörig“ ist zeigt doch eigentlich nur, dass „dieser“ Deutsche weder Wert auf „Macht“ noch auf „Gewalt“ in erster Instanz legt.

    Und das, sehe ich eher positiv, zeigt es doch auch, dass das Bild der Deutschen eigentlich besser ist, als ihr, von einer kleinen Qlique verursachter, Ruf.

    Auf der anderen Seite macht es diese Tatsache für unsere geschichtlichen „Führer“ natürlich leicht uns für ihre Zwecke zu missbrauchen, solange, bis „dieser“ Deutsche wieder ausser Rand und Band gerät, mit altbekannten und langen Folgen.

    Deshalb sollte man vorsicht walten lassen, wenn man zum Widerstand aufruft.

    Widerstand ist nicht gleicht Widerstand.

    MfG

    RGB

  10. 22. Januar 2009 um 16:13

    °° moltaweto – das „verhunzte“ hab ich „enthuntz“ ;-)

    Wir hören uns ja eh gleich noch… wird auch endlich Zeit.

  11. moltaweto
    22. Januar 2009 um 15:25

    Sorry, irgendwie wurde mein Beitrag „verhunzt“ – ab dem „zweiten Zitat“ wendet er sich an den Kommentar von G.G.

    Hans.

  12. moltaweto
    22. Januar 2009 um 15:24

    @Andreas …

    In der Tat ein sehr guter analytischer Artikel mit einem sehr wichtigen Zusatz in Ihrem Kommentar …

    Gefangenendilemma: Alleine können wir die Dinge nicht verändern, nur gemeinsam ist es möglich …

    @ G.G.

    Doch warum gibt es keinen echten Protest bzw. Widerstand? Wo ist der? Was soll noch passieren?

    Absolut korrekte und überaus berechtigte Frage – eine, die ich mir auch schon seit geraumer Zeit stelle und deren Beantwortung ich auf dem Umweg über Angebote zur sachlichen und zwischenmenschlichen Solidarität erreichen wollte … aber da kam kaum Resonanz! Damit möchte ich Ihnen einerseits uneingeschränkt beipflichten, dass der "deutsche Michel" seine Erfüllung in bedingungsloser Obrigkeitshörigkeit, Unterwerfung – und, falls das nicht genügt oder fruchtet, gerne zum Ignorieren oder "Wegsehen" übergeht.

    Auf der anderen Seite, ohne das Schweigen der Massen damit entschuldigen zu wollen (ich gehöre ja auch dazu und bin alles andere als duld- oder schweigsam), muss man eben auch anerkennen, dass "die Deutschen" zum Zeitpunkt der Machtübernahme der NSDAP bereits ein Vierteljahrhundert unter Fremdbestimmung standen und aus unterschiedlichsten Gründen am Rand des Untergangs standen … aus dieser "Tradition" / Situation heraus und verbunden mit der unmittelbar nach dem Krieg begonnenen Dauerpropaganda und Manipulation konnte sich schwerlich eine Widerstandskultur wie in Frankreich, den südeuropäischen Ländern oder bspw. auch in Lateinamerika entwickeln.

    Was man den Deutschen in jedem Fall vorhalten muss, ist eine gravierende Aufklärungs- und "Erweckungs"resistenz, da sie selbst dann die Wahrheit nicht zu sehen vorgeben, wenn man sie mit der Nase drauf stößt.

    Der Weg raus aus diesem Dilemma ist genau der, den Andreas und auch meine Wenigkeit (und noch einige andere) aufzuzeigen versuchen.

    MfG
    Hans

  13. 22. Januar 2009 um 13:15

    Hallo G. G.

    Das ist wirklich ein sehr interessanter Text, auf den Sie da hinweisen. Einen ganz bestimmten Teil möchte ich hier mal hervorheben:

    – Das deutsche Volk bewerte er wenig schmeichelhaft wie folgt: Absolut obrigkeitshörig, des Denkens entwöhnt, typischer Befehlsempfänger, ein Held vor dem Feind, aber ein totaler mangel an Zivilcourage!

    – Der typische Deutsche verteidigt sich erst dann, wenn er nichts mehr hat, was sich zu verteidigen lohnt. Wenn er aber aus seinem Schlaf erwacht, dann schlägt er in blindem Zorn alles kurz und klein, auch das, was ihm noch helfen könnte.

    – Die einzige Hoffnung die Weizsäcker anbietet, ist die, dass nach diesen unvermeidlichen Turbulenzen dieser Planet noch bewohnbar bleibt. Fakt ist: Die kleine Clique, denen die Welt schon jetzt gehört, herrscht nach dem einfachen aber klaren Motto: Eine Welt in der wir nicht das alleinige Sagen haben, die braucht es auch in Zukunft nicht mehr zu geben.

    Ich habe bisher noch keinen Text in solch kompakter Art und Weise gelesen, der die Situation der Menschheit beim Namen nennt. Erschreckend dabei ist: Die Geschichte wiederholt sich, immer und immer wieder. Was können wir nur dagegen tun? Es ist ein Gefangenendilemmata. Alleine können wir die Dinge nicht ändern, nur gemeinsam ist es möglich, die Welt – das Schicksal der Menschen, Tiere – ja, des Lebens auf Erden selbst, zu ändern und vor dem Chaos zu bewahren.

    Vielen Dank nochmal, für den Hinweis auf den Text bei Gert Flegelskamp. Ich habe mir gerade vorgenommen, Weizäckers Buch zu bestellen.

    Was mich allerdings nachdenklich macht ist, was Weizäcker zur Entwicklung von Kernwaffen beigetragen hat.

    Andreas

  14. G. G.
    22. Januar 2009 um 05:41

    Okay. Eine gute Analyse und Beschreibung des Ist-Zustandes. Doch warum gibt es keinen echten Protest bzw. Widerstand? Wo ist der? Was soll noch passieren?

    Zwangssteriliiserungen für Prekarier? Zwangsorganspenden für HARTZ’ler? Die Wiederöffnung von Auschwitz?

    Die offizielle Aufgabe der KZs war die „Erziehung“ und in Wirklichkeit ging es um die Vernichtung der Menschen. Dort standen Sprüche wie: „Arbeit macht frei“ und „Es gibt einen Weg zur Freiheit. Seine Meilensteine heißen: Gehorsam, Fleiß, Ehrlichkeit, Ordnung, Sauberkeit, Nüchternheit, Wahrhaftigkeit, Opfersinn und Liebe zum Vaterland!“. Übrigens: Es gibt sogar noch Zeitzeugen! Also solange ist es nicht her! Wir haben problemlosen Zugriff auf dieses Wissen! Und dennoch machen wir den gleichen Sch*** wieder? Sorry! Aber ich versteh es nicht!

    Eine Deutsche aus dieser Zeit meinte mal zu ihrer Entschuldigung: „Wir dachten, die Juden würden nur in Arbeitslager gebracht!“.

    Und selbst wenn sie uns damals nur in Arbeitslager gebracht hätten, schon das wäre schlimm genug gewesen.

    Ein sehr interessanter Text aus dem Jahre 1983

    Die Prophezeiung des
    Carl Friedrich von Weizäcker
    Der bedrohte Frieden

  1. No trackbacks yet.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s