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Die Sprache der Politiker ist die Verschleierung zur Veränderung der Wirklichkeit


03.12.2008

DIE WELT

Seite 9

Tot bleibt tot
Zu: „Mehr Klartext bitte“; WELT vom 29.11.2008

Die Verkleidung der Wirklichkeit durch die Sprache scheint so alt zu sein wie die Menschheit selber, die durch Täuschen und Getäuschtwerden kulturelle Wirklichkeiten und virtuelle Realitäten schafft.

Besondere Veränderungen der Wirklichkeit ergeben sich durch die Sprache der Politiker, denen offenbar jedes Mittel recht zur Verschleierung recht ist. „Kompromissvorschlag, soziale Gerechtigkeit, Implementierung in der Zeitschiene, vertrauensbildende Maßnahmen, Solidaritätszuschlag, Mehrwertsteuer, Ergänzungsabgabe“ und so weiter.

Ein böses Beispiel der Verunglimpfung ist die Frage, ob zu Tode gekommene Soldaten gefallen sind oder nur getötet oder ermordet wurden. In einem nicht erklärten Krieg kann kein Soldat fallen, auch nicht am Hindukusch.

Ein weiterer verniedlichender Begriff ist das „Keulen“. In der Hysterie um die Vogelgrippeepidemie wurden Hunderttausende von gefiederten Mitgeschöpfen „gekeult“, das heißt vergast oder totgeschlagen, prophylaktisch.

Tauscht man die verharmlosenden Begriffe für das Töten mit „keulen“ und „fallen“ aus, kommt die volle Absurdität zum Vorschein.

Wurden etwa Soldaten durch die Massenvernichtung im Ersten und Zweiten Weltkrieg „gekeult“, und sind die Gänse, die während ihres unbestechlichen Wächterdienstes getötet wurden, nur „gefallen“?

Tot sind sie allemal; trotz der verharmlosenden begrifflichen Verschleierungen.

Prof. Dr. Dr. Felix-Rüdiger Giebler, Friedrichstadt

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