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DAS DREHTÜR-PRINZIP

Das Prinzip „Du brauchst unsere Hilfe“

Die Mächtigen stellen sich gern als Helfer und Beschützer der Menschen dar. Die Kirche hilft den Armen und Kranken. Versicherungen helfen uns bei Unglücksfällen. Die Armee beschützt uns vor feindlichen Staaten. Die Polizei beschützt uns vor Verbrechen. Die Amerikaner haben uns vor den Russen beschützt. Die Nahrungsmittelindustrie hilft der überlasteten Hausfrau mit Gerichten, die sie schnell zubereiten kann. Bei so viel selbstlosem Schutz und Hilfe müsste es uns eigentlich blendend gehen. Sind alle wirklich so selbstlos? Wie viel Geld versickert bei der Caritas? Wie verhalten sich Versicherungen, wenn sie zahlen müssen? Wie teuer muss militärische Abschreckung eigentlich sein? Kann es sein, dass Deutschland ein Bollwerk gegen den Kommunismus sein sollte und die Amerikaner gar nicht uns, sondern sich selbst schützten? Kann es sein, dass Deutschland für die Amerikaner strategisch wertvoll war? Kann es sein, dass die Nahrungsmittelindustrie in erster Linie Geld verdienen will? Kann es sein, dass alle gar nicht so selbstlos sind? Das Prinzip „Du brauchst unsere Hilfe“ wirkt dann besonders gut, wenn die Opfer entweder tatsächlich hilfsbedürftig sind oder sich wenigstens so fühlen. Die Mächtigen sind daher daran interessiert, ihre Opfer hilfsbedürftig zu halten. Im Kapitel „Wie hält man Menschen in Abhängigkeit“ wird intensiv auf diese Thematik eingegangen.


„Das einzige Prinzip, dass den Fortschritt nicht hemmt, heisst: Mach, was du willst“
– Paul Feyerabend –


Das Prinzip „Du bist schuld“

Da hatte doch eine bayrische Politikerin eine Idee, wie das Prinzip wieder eingeführt werden könnte, dass jeder schuldig ist, der seine Unschuld nicht nachweisen kann. Nach diversen Krawallen meinte sie, man müsste die Eltern der Randalierer wegen der schlechten Erziehung verurteilen bzw. haftbar machen, sofern sie nicht nachweisen können, dass sie das Beste versucht haben und es nicht ihre Schuld ist, dass ihre Kinder Randalierer geworden sind. Somit hätten wir auch gleich die Gesinnungskontrolle, was sie natürlich nicht extra betonte. Glücklicherweise wurde bislang noch nichts aus dieser Idee, aber sie ist ja noch jung. Das Prinzip „Du bist schuld“ hat eine lange Tradition. Nach kirchlichem Mythos sind wir alle schuldig (Woran eigentlich?), weil wir seit den Zeiten von „Adam und Eva“ die Erbsünde mit uns herumtragen. Und die Frauen sind daran Schuld, dass wir nicht mehr im Paradies leben. Durch das kirchliche Schuldbekenntnis wird den Gläubigen immer wieder erneut ihre Schuld vorgehalten. Besonders trickreich ist die Beichte, denn für die Beichte muss der Gläubige selbst nachdenken, wo er Schuld auf sich geladen hat. Da findet sich bestimmt immer etwas. So hilft der Gläubige der Kirche dabei, wenn sie ihm die Schuldgefühle einredet.


„Persönlichkeiten, nicht Prinzipien, bewegen die Welt“
– Oscar Wilde –



Das Prinzip der scheinbaren Unabhängigkeiten

Wäre es für den Leser einer Fachzeitschrift offensichtlich, dass die Redaktion dieser Zeitschrift von einem Hersteller abhängig wäre, so wären Vergleichstests von Produkten unglaubhaft, da der Hersteller sein eigenes Produkt wohl kaum schlecht bewerten würde. Hersteller und Redaktion werden somit versuchen, sich als unabhängig darzustellen. Wenn eine Regierung ihren „Untertanen“ durch Umverteilung steuerliche Entlastungen und Belastungen bringt, so wird sie möglicherweise versuchen, die Entlastung als eigene Leistung darzustellen, die Belastung hingegen auf einen Buhmann abzuschieben (Buhmann-Prinzip), z.B. auf das Europaparlament. Offiziell sind in Deutschland Regierung, Verfassungsgericht, Bundespräsident und Presse unabhängig, so dass eine wirksame Kontrolle der Regierung existieren soll. Doch so weit ist es mit der Unabhängigkeit nicht: Die großen Parteien, die die Regierungen (Bund und Länder) stellen, können bestimmen, wer Verfassungsrichter oder Bundespräsident wird. Die öffentlich-rechtlichen Medien werden ebenfalls mit parteitreuen Personen besetzt. Die Kontrolle ist damit aufgehoben.


„Wenn die Untertanen aus Prinzip rebellieren, wird die Politik der Könige tyrannisch.“
– Edmund Burke –



Das Prinzip zu glauben, die Mehrheit hat recht

Informationen sind fehlerhaft oder werden falsch wahrgenommen. Immer wieder erkennen Kinder, dass sich eine Information nachträglich als falsch herausstellt. Wie kann nun ein Kind falsche Informationen von richtigen trennen? Allgemein wird dabei folgende Strategie benutzt: Neue Informationen werden erst einmal bezweifelt. Nimmt man eine Information häufiger wahr, so wird sie wohl stimmen. Informationen, die mit dem eigenen Weltbild nicht verträglich sind, werden als falsch beurteilt. Diese Strategie behält man normalerweise ein ganzes Leben lang bei. Diese Strategie ist im normalen Leben auch äußerst erfolgreich. Zur Manipulation lässt sich dieses Prinzip gut nutzen. Wenn der Manipulator eine Meinung erzeugen will, braucht er diese nur oft genug den Opfern anzubieten. Besonders, wenn das Opfer denkt, dass eine Information von verschiedenen Seiten kommt, so glaubt es, dass sie stimmt. Schließlich können nicht alle lügen.


„Unter der Demokratie besteht alle Politik aus einer Reihe dynastischer Fragen: das Ziel ist stets der Posten, nicht das Prinzip.“
Henry Louis Mencken


Das Prinzip der Abhängigkeit

Je unabhängiger jemand ist, desto schwerer kann man ihn ausbeuten. Diese simple Erkenntnis veranlasste die Mächtigen aller Zeiten dazu, die Machtlosen in Abhängigkeit zu halten. Das beginnt bereits im privaten Bereich. Eine Frau die von ihrem Mann finanziell abhängig ist, muss manchmal einiges an Demütigung und Belastung ertragen. Lange Zeit wurde das Patriarchat dadurch aufrechterhalten, dass man Frauen einer höheren Schulbildung oder gar ein Studium verweigerte. Die Frauen hatten somit keine Möglichkeit, sich aus einer bitteren Ehe zu befreien. Finanzielle Schulden bringen den Schuldner in Abhängigkeit vom Gläubiger und vom Arbeitgeber. Die Banken werben dafür, wie leicht und unkompliziert man einen Kredit bekommt. Ich erhielt sogar einmal von einer Bank einen Brief, in dem mir angeboten wurde, dass ich mich kostenlos psychologisch beraten lassen könne, um herauszufinden, welche unbefriedigte, unbewusste Wünsche und Bedürfnisse ich denn hätte. Die Bank würde mir dann auch helfen, diese Wünsche zu erfüllen. Dass man hinterher alles zuzüglich Zinsen zurückzahlen muss, wurde nicht erwähnt.



Die Demokratie ist proletarisches Prinzip, Prinzip der Massen geworden.“
– Friedrich Engels –


Das Prinzip von Recht und Gesetz

In früheren Zeiten ohne klare Gesetzgebung war der Untertan von der Gnade der Obrigkeit abhängig. Wenn die Höhe einer Strafe oder einer Steuer nicht begrenzt ist und somit der Willkür der Obrigkeit unterliegt, kann die Obrigkeit nach ihrer Gunst entscheiden. Es liegt somit am Untertan, sich diese Gunst zu erwerben. Zu dieser Gunst tragen somit auch Taten bei, die mit der Strafetat bzw. der Steuer nichts zu tun haben. In einem Rechtsstaat sollte eigentlich nach Recht und Gesetz entschieden werden und nicht nach Gunst und Gnade. Beamte und Richter, die sich wohl beide noch weiterhin für die Obrigkeit halten, haben sich durch eine weitgehend unklare Rechtslage, Ermessensspielräumen, Kann-Vorschriften und widersprüchlichen Gesetzen genügend Spielraum gelassen, um ihre Macht gegenüber ihren Untertanen zu demonstrieren, um von diesen ein artiges Verhalten zu erzwingen. Die Devise heißt: Wer gegen den billigen Strafzettel Einspruch erhebt, riskiert ein teures Gerichtsverfahren.


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„Jawohl, lerne beim Deutschen! Die Geschichte geht im Zickzack und macht Umwege. Es ist so gekommen, daß jetzt gerade der Deutsche nicht nur den bestialischen Imperialismus, sondern auch das Prinzip der Disziplin, der Organisation, des harmonischen Zusammenwirkens auf dem Boden der modernsten maschinellen Industrie, der strengsten Rechnungsführung und Kontrolle verkörpert.“
– Lenin, Die Hauptaufgabe unserer Tage



  1. 18. Dezember 2008 um 20:29

    Lieber Herr Schiewart,

    ich kann Ihnen nur zustimmen und hoffen, dass das bisher nicht unter Kontrolle gebrachte Medium internet möglichst genutzt wird und sich daraus eine Gegenöffentlichkeit entwickelt.

    Dank und Gruß

    Andreas

  2. Wolfgang Schiewart
    17. Dezember 2008 um 11:18

    Täglich springt mir das politische Desinteresse ins Gesicht. Die BILD lesen oder sich von der Glotze brieseln lassen ist wesentlich schmerzfreier, als einmal den eigenen Geist zu benutzen. Ich hoffe nur, dass die Wenigen, die sich das neue Medium INTERNET zu Nutze machen, langsam zu einer Bewegung erstarken, die Kraft erlangt.

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