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EIN KRIEG MIT ANDEREN WAFFEN

Die Konkurrenz des Lebendigen


Die Natur ist Leben. Sie produziert und reproduziert kostenlos Pflanzen, Nahrung, Luft, Wasser und Licht. Auch der Mensch selbst, ist Natur. Er ist des Lebens ohne die Natur nicht fähig. Das eine Waffe nicht unbedingt etwas mit Schwarzpulver zu tun haben muss, möchte ich an drei Beispielen einmal aufzeigen.

Für den Kapitalisten ist die kostenlose Produktion der Natur ein unerträglicher Sachverhalt. Für den Kapitalisten ist die Kostenlosigkeit ein Gräuel und es kann und darf für ihn keine öffentlichen Güter im strengen Sinn des Wortes geben. Heute sind über 60% der berufstätigen Bevölkerung auf der Welt Bauern. Wie kann man sie davon überzeugen, dass ihr Heil darin liegt, das patentgeschütze und gentechnisch veränderte Saatgut zu kaufen?

Das anfechtbarste Argument, das die neuen Despoten einsetzen, besteht darin, zu behaupten, die gentechnisch modifizierten Organismen (die GMOs) seien die absolute Waffe gegen den Hunger. Wer dem Massaker durch den Hunger ein Ende bereiten möchte, müsste sich zu den gentechnischen Manipulationen der Pflanzen (auch in Verbindung mit der Nutztierhaltung wie Kühe, Ziegen, Schafe und der Hühner) bekehren, so die Behauptung. Das glatte Gegenteil der Wahrheit, aber dennoch wir diese Behauptung tagtäglich in allen Ländern der Welt von den Propagandaapparaten der Konzerne verbreitet, die dafür Milliarden Dollar aufwenden. An dieser Summe sollte man den Konkurrenzkampf gegen die Natur und des Lebendigen unschwer erkennen können.

»poisoned food«

Ein Ereignis, das in der vorgekauten Medienwelt nicht der Rede wert war: Im Jahr 2002 verwüstete der Hunger weite Teile des südlichen Afrika. In Malawi, in Sambia (Regionen in Simbabwe), sind die Getreide- und vor allem die Maisernte katastrophal ausgefallen und  es herrschte Trockenheit. Das Welternährungsprogramm (WFP) verteilte zehntausende Tonnen Nahrung, vor allem Mais, in den betroffenen Zonen. Ein Großteil dieses Getreides war eine »kostenlose Spende« der Vereinigten Staaten. Dabei handelt es sich ausschließlich um gentechnisch modifizierten Mais. Am 12 Oktober 2002 löste der Präsident der Republik Sambia einen Skandal aus: Trotz der prekären Ernährungslage der Bevölkerung lehnte er den amerikanischen Mais ab. Er kritisierte ihn als poisoned food, als vergiftete Nahrung, und forderte das WFP auf, die Verteilung sofort zu stoppen.

Zur Erinnerung: Der im Jahre 2003 publizierte »Bericht über die Nahrungssicherheit« der FAO weist, auf Zahlen gestützt nach, dass die Weltlandwirtschaft beim derzeitigen Entwicklungsstand ihrer Produktivkräfte problemlos (und vor allem ohne GMOs) zwölf Milliarden Menschen ernähren könnte. »Problemlos« bedeutet, dass jede erwachsene Person täglich eine Nahrungsration von 2700 Kalorien erhält. Dabei sind wir heute bloß 6,2 Milliarden Menschen auf der Erde. Die gentechnisch modifizierten Pflanzen sind, wie bereits erwähnt, durch Patente geschützt. Genau das ist für den Konkurrenten der Natur so attraktiv. Konzerne der Schande kassieren jährlich Millionen von Dollar an Gebühren, also auf ihre Patentrechte.

»Patente des Unrechts«

Einer dieser Prozesse hat besonders Aufmerksamkeit erregt, nämlich der von Percy Schmeiser, ein dreiundsiebzigjähriger kanadischer Landwirt, der mit seiner Familie in der kleinen Ortschaft Bruno in der Provinz Saskatchewan lebt. Im Jahre 1998 verlangten die Rechtsanwälte von Monsanto-Kanada eine hohe Geldsumme für die »betrügerische« Verwendung des gentechnisch modifizierten Raps-Saatgut von Schmeiser. 400 000 Dollar. Nicht mehr und nicht weniger. Nachdem Schmeiser sich weigerte, reichen die Rechtsanwälte wegen »Patentverletzung« klage ein. Wie der genetisch veränderte Raps auf die Felder von Percy Schmeiser kommt ist leicht zu erklären. Sieben seiner Nachbarn verwenden in der Tat modifiziertes Raps-Saatgut. Über den Wind werden die Samen der umliegenden Felder herbeigeweht. Dieses Argument ist allerdings für den Richter der ersten Instanz nicht der Rede wert.

Schmeiser legt Berufung ein. Nach diesem ersten Urteil hat Schmeiser Angst, denn er ist nicht reich. Am 21. Mai 2004, nach sechs Jahren Anwaltskosten, gelangt die Angelegenheit vor den obersten Gerichtshof. Schmeiser wird mit fünf Stimmen gegen vier verurteilt und Monsanto triumphierte. Schmeiser sagt: »Seit fünfzig Jahren hebe ich Körner aus meinen Feldern für das Saatgut des nächsten Jahres auf … Ein Landwirt sollte niemals das Recht verlieren, seine Körner erneut zu säen … Die Körner sind das Ergebnis von hunderten Jahren der Arbeit und Selektion durch die Bauern der ganzen Welt … Das Gericht segnet den Verlust eines jahrhundertealten Grundrechts ab.«

»Stickoxid«

Die Patente auf die Natur sind nicht das Vorrecht der Lebensmittelgesellschaften. Die Herrscher der Weltpharmazeutik gehen auf die gleiche Weise vor. Das dritte Beispiel für »Waffen ohne Schwarzpulver« kommt ebenso aus der Natur. Was ist das Leben eines Neugeborenen wert? Zwischen 2000 und 3000 Euro am Tag könne man dafür schon zahlen, findet die Firma INOtherapeutics.

Die Säuglinge, die an ernsten Atembeschwerden leiden, werden gewöhnlich mit einem besonderen Gas behandelt, dem Stickoxid, das in der Natur vorkommt. Eine solche Behandlung kostete früher ungefähr 100 Euro und dauert vier bis fünf Tage. Das Gas hat eine zufrieden stellende und rasche therapeutische Wirkung. In der Schweiz wurde dank dieser Behandlung über 150 Neugeborenen pro Jahr das Leben gerettet. Seit 2004 jedoch, ließ eine transkontinentale Gesellschaft deutscher Herkunft (Firma Linde), INOtherapeutics, ein Patent auf das Heilverfahren unter Anwendung dieses Gases einschließlich spezieller Applikationsvorrichtungen registrieren. Es wird unter der Bezeichnung INOmax vermarktet.

INOmax ist also jetzt ein Medikament, dessen Anwendung im Rahmen eines Heilverfahrens durch ein europäisches Patent geschützt ist. Kein Kinderarzt hat durch diese Patente das Recht, das natürliche Gas außerhalb eines solchen Heilverfahrens zu verwenden. In den Kinderkliniken der Schweiz kostet die Behandlung für Säuglinge mit schweren Atembeschwerden nunmehr durchschnittlich 20 000 Euro … (Vgl. Die Sonntagszeitung, Zürich, 29 August 2004)

Dass Patentmissbrauch in der Medizin nicht zum guten Ton gehört, ist allgemein anerkannt. Nur, welche Konsequenzen sollten wir daraus ziehen? Wer es versucht, geht bislang straffrei aus. Der Strafkatalog des Zivilrechts im Falle von unterlassener Hilfeleistung sieht anderes vor. Glücklicherweise hat das Europäische Patentamt zumindest dem Monopolmissbrauch der Firma Ino Therapeutics einen Riegel vorgeschoben und das Exklusiv-Patent für den Einsatz von NO für unwirksam erklärt. Die Frühchen dürfen wieder aufatmen – für 70 Euro am Tag. Die Firma Linde hat sich im Jahre 2007 von INOtherapeutics getrennt. Ein Grund zum aufatmen? Nein.

Der kranke Geist des Kapitalismus kämpft gegen die Natur, gegen die Tiere und die Pflanzen, er kämpft gegen die Schöpfung selbst. Wenn der Mensch ein Teil der Schöpfung ist, der Kapitalismus aber ein Produkt des Menschen, so stellt sich mir die Frage: Was ist der Mensch?

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Quellen/Verweise

http://www.percyschmeiser.com/

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/6/6833/1.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Inomax

http://de.wikipedia.org/wiki/Linde_AG#Patenterwerb_an_Stickstoffmonoxid

http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2007-02/7794481-linde-trennt-sich-von-ino-therapeutics-009.htm

  1. 1. Dezember 2008 um 12:06

    Es wird Zeit, dass der Kapitalismus zugrunde geht, da gebe ich Ihnen völlig Recht, Frau Müller.

    Wir leben in spannenden Zeiten, ich hoffe das sich alles zum Guten wenden wird.

  2. helga Müller
    1. Dezember 2008 um 10:30

    Entweder die natürlichen Mittel werden zu Pharmakas erkärt oder sie werden als Rauschmittel geahndet (Kava-Kava).
    Ich kann nur beten, daß der Kapitalismus endgültig abstirbt.
    Sonst würde er fähig, unsere natürlichen Gewürze und Lebensmittel für sich mit hohem Gewinn zu vereinahmen.

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