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DEMOKRATIE IN KETTEN GEBOREN

Man sollte eigentlich meinen, dass der Tod so endgültig und übergeordnet ist, dass er z.B. alle politischen Unterschiede unwichtig macht. Man sollte daher eigentlich auch meinen, dass die Überlebenden alle Toten gleichermaßen betrauern und sie ehren, gleichgültig, welchem Beruf, welcher Partei oder welchem Volk ein Toter angehört hatte. Und man sollte eigentlich meinen, dass der Streit der Menschen vor dem Friedhof endet und an den Gräbern nur der Gefallenen und Kriegsopfer und daran gedacht wird, wie wertvoll der Frieden ist.

Anscheinend ist dies hierzulande aber nicht so. Anscheinend unterscheidet man hier zwischen „guten Toten“ und „bösen Toten“. Die folgenden beiden Beispiele werden das verdeutlichen:

»133 Holzkreutze«

An den letzten Kämpfen des Zweiten Weltkrieges um Berlin im Jahre 1945 nahmen auch französische Freiwillige teil, die zur 33. Waffen-SS-Grenadier-Division „Charlemagne“ gehörten. Viele von ihnen fielen, und 133 dieser Soldaten wurden bei Neustrelitz beerdigt. Jahrzehntelang wurden ihre Gräber geehrt und gepflegt. Vor einigen Jahren wurde diese Gedenkstätte dem Erdboden gleich gemacht. Die Gefallenen gehörten vermutlich zu den „bösen“ Kriegstoten.

Daraufhin stellten am 25.04.2004 mehrere junge Deutsche 133 Holzkreuze auf, um an die Gefallenen zu erinnern. Sie erhielten dafür aber keinen Dank und auch kein Lob von öffentlicher Seite, – sondern eine „Anhörung nach § 55 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten“. Das Amt Neustrelitz warf einem Betroffenen vor, eine Ordnungswidrigkeit nach §§ 13 SOG M-V iVm § 118 OWiG begangen zu haben, weil das Aufstellen der 133 Holzkreuze „eine grob ungehörige Handlung“ gewesen sei, die „geeignet gewesen sei, die Allgemeinheit zu belästigen und zu gefährden und die öffentliche Ordnung zu beeinträchtigen“.

Der Betroffene beantragte daraufhin über einen Rechtsanwalt Akteneinsicht und beabsichtigte, die Sache bis zur letzten Instanz durchzufechten. Sofort stellte das Amt Neustrelitz das Verfahren ein (Amt Neustrelitz-Land, Bescheid vom 14.07.2004, Az. 32-11/011).

»Bomber-Harris«

Bei verschiedenen Gedenkveranstaltungen an die alliierten Bombenangriffe auf deutsche Städte, z.B. am 13.02.2004 in München zum Gedenken an den Luftangriff auf Dresden riefen verschiedene Gegendemonstranten „Bomber Harris, do it again“ oder „No tears for Krauts“. Verschiedene Demonstranten erstatteten daraufhin Strafanzeige wegen § 130 StGB (Volksverhetzung), § 131 StGB (Billigung von Gewalt), § 140 StGB (Billigung von Straftaten) u.a..

Die Staatsanwaltschaften stellten die Strafverfahren jedoch umgehend ein. Sie begründeten dies u.a. damit, dass es sich um Äußerungen handele, die unter die Meinungsfreiheit fielen, bzw. dass es sich um keine Billigung von Straftaten handele, weil die Bombardierung Dresdens nur ein Vorfall von „geschichtlichem Interesse“ und daher keine gebilligte Straftat sei (StA München I, Bescheid vom 06.05.2004, Az. 115 Js 10471/04 und Bescheid vom 07.05.2004, Az. 115 Js 10398/04 und andere).

Die Kriegstoten in Dresden, die den Bomben des „Bomber-Harris“ zum Opfer fielen, gehörten wohl auch zu den „bösen“ Kriegstoten.

Wir können nur dringend davor waren, bezüglich anderer Kriegsopfer mit ähnlichen Sprüchen aufzuwarten. Dies würde sicherlich unter § 130 III, IV StGB fallen und zu harten Geldstrafen oder sogar Haftstrafen führen.

Eine Anmerkung zu dieser unterschiedlichen Behandlung möchten wir uns ersparen.

Fordern Sie die oben genannten Entscheidungen aus unserem Archiv an.
Senden Sie uns Gerichtsentscheidungen und Meldungen zu diesen und anderen juristischen Fragen für unser Archiv. Es ist nur so gut und so aktuell, wie es von Ihnen die entsprechenden Nachrichten erhält!

Deutsches Rechtsbüro im Deutschen Rechtsschutzkreis e.V.
Postfach 400 215, 44736 Bochum

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Bomber-Harries, do it again

Dazu möchten wir gerne noch etwas hinzufügen. Auf digitale Holzkreuze steht der sozialdemokratisch- deutsche Mainstream nicht. Beim 70 jährigen Doppeljubiläum, sieht die Sache schon anders aus. Ich glaube wir werden an diesem Tag sehr dunkele Sonnenbrillen brauchen. Ja, können Sie sich nicht vorstellen, wie gewissen Leuten aus diversen Kreisen die Sonne aus dem Arsch scheinen wird? Oder sollten wir dankbar sein? Oder stets motiviert in aufrecht gebückter Haltung, dem Sonnenbad entgegen kriechen? Oh ja, da kommen einem gemischte Gefühle entgegen, so ganz nach dem Motte: Lieber kriechend knechten, als gar nichts mehr vom Leben. Hab ich das jetzt geschrieben?! Tja, der Mensch deutsche ist nun mal ein  Gewohnheitstier, wenn auch etwas großzügig, was einzelne „Gewohnheiten“ angeht. Ich hoffe doch sehr, dass ich die nächsten Tätervolk-Awards noch er-Leben darf.

Wie war das noch gleich, in Dresden?

Alles Gute kommt von oben? Betrachte ich das Bild im blau-weißen Lettern, fehlen mir einfach die Worte. Wie kann man nur…

Das Gebiet, in dem der Feuersturm wütete, verschonte in Dresden auf 15 Quadratkilometer dichtbebauter innenstädtischer Fläche kein einziges Haus. Es wurde durch 650.000 Brandbomben entfacht und tobte zwei Tage und zwei Nächte. Im Stadtzentrum brannte der Asphalt. Der Orkan war noch am folgenden Tag so stark, dass ihn ein türkischer Student sogar auf der Elbbrücke zu spüren bekam: ‘Über der Elbe herrschte ein gewaltiger Hurrikan, verursacht durch die Brände. Wir mussten auf der Elbbrücke, uns an den Gitter festhaltend, auf dem Boden kriechen, um nicht von den Wirbelwinden aufgesaugt zu werden … So sprach Goebbels beschwichtigend von 40.000 Toten in Dresden, obwohl ihm angeblich ein Bericht des stellvertretenden Leiters des Propaganda-Amtes in Dresden vorlag, in dem von 350.000 bis 400.000 Opfer die Rede war … Auch nach dem Krieg standen übergeordnete politische Interessen einer objektiven Ermittlung der Opferbilanz häufig entgegen. Hohe Opferzahlen störten das Konzept der Versöhnung … Die Auslegung erscheint naiv, die Nazipropaganda habe ein Interesse daran gehabt, überhöhte Zahlen in Umlauf zu bringen … Da es doch das erklärte Ziel des alliierten Bombenkrieges war, die Moral der Zivilbevölkerung zu brechen, hätte eine ‘Propaganda’, die mit überhöhten Verlustzahlen arbeitet, die beabsichtigte Wirkung der Luftangriffe nur noch erhöht.

* * *


Ehemals mit totalitärer Macht und Rechten ausgestattete Herrschaftsstrukturen konnten in Deutschland und Europa während der Zeit der Aufklärung auf allgemeinverbindliche und -gültige Rechtspositionen zurückgeführt werden. Wie die heutige allgemeine Lage immer deutlicher zeigt, kamen diese gesellschaftlichen Fortschritte während des 20. Jahrhunderts mit seinen zwei Weltkriegen wieder unter die Räder der Zeit. Aber nicht nur Rechtspositionen und die gesellschaftlichen Werte, also die gesamte Gesellschaftsordnung, kamen in diesem Jahrhundert abhanden. Selbst das reale Weltbild verschwand und wurde durch eine Scheinwelt ersetzt.

Damit stehen wir nicht mehr nur vor dem gleichen Problem wie die Menschen vor Jahrhunderten, die damals dazu beitrugen, eine real existierende Ordnung zu ändern. Die heutige Situation und Aufgabe ist weitaus schwieriger. Muß doch zunächst die real existierende Ordnung erst ausgegraben, d.h. die alles überlagernde Scheinwelt entfernt werden, um die erst dann sichtbar werdende, reale Ordnung erkennen und verbessern zu können. Ein als Aufklärung bezeichneter, historischer Zeitabschnitt als aktuelle Neuauflage reicht heute nicht mehr aus.

Während anno dunnemals mit der Aufklärung eine Neuverteilung von Rechten und Kompetenzen stattfand, bedarf es heute zunächst einer Aufklärung über die tatsächliche Situation der Gesellschaft, um erst dann, nach diesem ersten Schritt, eine gesellschaftliche Reorganisation diskutieren und umsetzen zu können.

Aufklärung ist auch nicht mehr das, was sie einmal war.

Die heutige, von Sozio- und Psychologen konstruierte, von Medien und Politikern in geschlossener Harmonie vorgespielte Welt der Gehirnwäsche existiert aber nicht grundlos. Ihre Existenz verdankt diese Scheinwelt ausschließlich dahinterstehenden politischen Interessen. Interessen, die nicht nur über die Macht verfügen, ihre Scheinkonstruktion erstellen und verbreiten zu lassen, sondern die so mächtig sind, sie auch zu schützen.

Aufklärung ist wahrlich nicht mehr das, was sie einmal war.

Was in altvorderer Zeit ein strittiger Prozeß um Vorteile und Privilegien war, der zu jedem Zeitpunkt über Kompromißlösung und -teile entwickelt werden konnte, der keine der streitenden Parteien in seiner Existenz gefährdete, muß heute als kompromißloser Schwarz-Weiß-Gegensatz gesehen werden. Entweder die Menschheit oder die Scheinweltkonstrukteure. Was ehemals auf regional abgegrenzten Gebieten stattfand, das muß heute global betrachtet werden und wird sich auch immer nur insgesamt auswirken. Aufklärung muß schon allein deshalb, weil zunächst die Realitäten zu erkennen sind und erst darauf eine veränderte, eine aufgeklärte Entwicklung aufgebaut werden kann, nicht mehr das sein, was sie vor Hunderten von Jahren war, als es nur darum ging, die Realitäten zu diskutieren und zu reformieren.

Es bleibt nur eine zentrale Alternative: Der weltweite Freiheitskampf! Ein Freiheitskampf, an dem jedes Volk, jeder Mensch aufgerufen ist, sich zu beteiligen, will er sich, will er seine Kinder nicht weiterhin dem gleichen Machtdenken aussetzen, dem wir alle die letzten tausend Jahre wie auch das üble 20. Jahrhundert zu verdanken haben. Und Deutschland, auf das nicht nur alle Schuld konzentriert und verlagert wird, bildet einen der tragenden Pfeiler des heute weltweit herrschenden Systems. Ein Pfeiler, der dieses System nicht nur stützt, sondern auch tarnend und argumentativ schützt. Die Waffe ist die historische Wahrheit, die Hand, die sie führt, heißt Aufklärung! Und der erste Platz, auf dem der Freiheitskampf auszutragen ist, ist der Kopf. Der Kopf jedes Einzelnen. Nicht die Masse, der Einzelne ist gefordert. Nicht Aufmärsche und Kundgebungen. Individuelle Diskussionen, Aufklärung und Überzeugung des Einzelnen ist der Weg.

Aber selbst dieses wird kaum ausreichen. Die Wand, die es zu überwinden gilt, ist noch weitaus höher. Denn die Wahrheit zur vergangenen wie auch zur aktuellen Politik schafft nicht nur neue Erkenntnisse. Deren Akzeptanz wirkt auch zerstörend. Sie zerstören das Weltbild, welches es dem Einzelnen überhaupt ermöglicht, in der heutigen Gesellschaft zu existieren. Sie bringen den, wenn auch künstlich geschaffenen, Einklang zwischen dem Leben und dem dazu gelieferten Weltbild zum Einsturz. Wird dem mit allen Fälschungen, Manipulationen und Betrügereien zusammengeflickten Bild der aktuell-politischen Ordnung seine Grundlage genommen, wird es um seine künstliche und letztlich auch gewollte Überzeugungskraft gebracht, so wird damit jedem Einzelnen auch zwangsläufig die Grundlage seiner tagtäglichen Existenz genommen. Denn er wäre gezwungen, in einer Welt und Gesellschaft zu leben, die ihm als betrügerisch, verlogen und menschenverachtend bekannt ist. Solches aber dürfte nur extremsten Verdrängungsspezialisten längerfristig möglich sein.

Also, Aufklärung allein reicht nicht aus! Die Wahrheit allein ist nicht akzeptabel! In einer erkannten Betrugswelt kann niemand auf Dauer existieren, es sei denn, er zwinge sich selbst zur Schizophrenie.

Vergangenheitsverfälschungen und  die Spaßgesellschaft allein sind schon der Grund für die heute vor sich dahindämmernde deutsche und menschliche Gesellschaft, sondern, wenn es vielleicht auch nicht Kenntnisse und Wissen sind, so ist es aber doch zumindest eine unterdrückte  intuitive Skepsis, die viel größer als vermutet ist. Das Fundament, auf dem die heutige weltweite Macht der Händler-Plutokraten steht, ist weitaus labiler, als deren Propaganda es erkennen läßt. Nur  zwingt die reine Selbsterhaltung jeden Einzelnen dazu, widerspruchslos und angepaßt mitzuspielen. Denn jedem Widerstand, der die zwangsläufige Folge wäre, fehlt jede erkennbare Chance und auch jede Perspektive. Nicht umsonst tobt der US-amerikanische Imperialismus immer ungeschminkter um den Globus. Zeigt er damit ganz offen nicht nur seine Bereitschaft, alles und jeden zu vernichten, der es wagt, sich seinem Willen nicht zu beugen, sondern demonstriert er doch auch die Chancenlosigkeit jedes Widerstandes. Nicht der so vordergründige Griff nach Rohstoffen ist es, der die Führungsmacht der Händler-Plutokraten treibt. Es ist die reine Machtpsychologie.

Nein, Aufklärung allein reicht bei weitem nicht aus. Aufklärung ohne Perspektive wird immer erfolglos bleiben müssen, da die Wahrheit nicht akzeptiert werden kann. Denn allein die Wahrheit ist noch keine Perspektive. Erst wenn es gelingt, beides in Einklang zu bringen und dem auch noch eine erkennbare Stabilität zu verleihen, erst dann wird Aufklärung Erfolg haben können. So, und nur so, ist die Macht der Händler-Plutokraten und ihrer weltweiten Handlanger zu brechen, um danach endlich wieder menschliche Gemeinschaften zu schaffen, die sich in ihrer Art und Tradition, ohne jede imperialistische Bedrohung und Fremdherrschaft, entwickeln können.

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Der Artikel ist länger geworden als ich dachte. Und wenn wir ehrlich sind, ist das viel zu wenig. Wie der Zufall es will, stolperte ich über einen bemerkenswerten Artikel, den ich unmöglich vorenthalten kann.

Hier geht es zur besagten  Stolperstelle ( unbedingt besuchen )



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Quellen / Verweise

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Bild und Fotomaterial

  • Haarmann, D. H. – Deutschland – Besetzt Wieso – Befreit Wodurch (1987, 72 S.)
  • GovforGermany  (EN-DE, 1948, 39 S., Scan)
  • Scheidl, Franz – Das Unrecht an Deutschland (1968, 333 S.)

Artikel und Seitenempfehlung

  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. 8. September 2010 um 00:48

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