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Michael Winkler ZEIT • DER VERNUNFT

7. Oktober 2008

Kommentar: Die Grafik steht nicht in Verbindung mit dem Text und dem Autor Michael Winkler

ZEIT DER VERNUNFT von Michael Winkler

Auf meiner Titelseite steht derzeit Phase 2. Diese Phase bedeutet beginnende Versorgungsschwierigkeiten in Deutschland. Man muß genauer hinschauen, um zu erkennen, daß sich die Dinge geändert haben. Beginnende Versorgungsschwierigkeiten bedeuten noch keine leeren Regale. Sie beginnen damit, daß Sie von „Böhms guten Eiernudeln“ zeitweilig keine „Krawallini“ bekommen, sondern die weniger beliebten „Schrapnelli“ kaufen müssen, oder gar die „Grafinelli“ einer anderen Firma.

Wenn Sie deswegen von Krise sprechen, werden Sie ausgelacht. Dabei gibt es weitere Anzeigen der Krise, ebenso unauffällig. Wenn Sie immer weniger für Ihre 100 Euro Einkaufsbudget kaufen können, wird das Angebot dadurch gestreckt. Es geht schleichend, hochpreisige Waren verschwinden aus den Einkaufswagen. Das entspricht der „vierfachen Leberwurst“ aus früheren Zeiten; für eine 50-Gramm-Fleischmarke bekam man 200 Gramm dieser gestreckten Leberwurst, die immerhin nicht gesundheitsschädlich gewesen sein soll, im Gegensatz zu „aufgebesserter“ chinesischer Milch.

Zur Phase 2 paßt bestens die Knappheit an Gold und Silber. Immer mehr Leute fliehen aus dem wertloser werdenden Papiergeld in jene Metalle, die seit 5.000 Jahren immer ihren Wert behalten haben. Anders als früher ist Gold jedoch kein Geld mehr, sondern ein Handelsgut. Allerdings ein besonderes Handelsgut, dank seiner unbegrenzten Haltbarkeit und seiner Wertkonzentration auf kleinstem Raum. Bei Goldhändlern sind derzeit Aufträge in sechsstelliger Höhe ganz normal, so wie früher fünfstellige Aufträge. Der Goldmarkt ist jedoch hochvolatil, Tagesausschläge um 50 Dollar nach oben oder unten pro Unze sind schon keinen Kommentar mehr wert.

Die hohen Benzin-, Heizöl- und Gaspreise gehören ebenfalls zur Phase 2. Energie wird zum knappen, begehrten Gut. In Phase 2 müssen allerdings noch nicht „Millionen Deutsche frieren“. Die Fahrten über 50 Kilometer zur Lieblingseisdiele oder über 30 Kilometer zum angesagten Spaßbad werden jedoch immer seltener. Der Mobilitätsradius der Menschen schränkt sich ein, nur noch Regierung und Abgeordnete fliegen weltweit umher. Die gestiegenen Kosten wirkten sich sogar schon auf die Urlaubsgewohnheiten in diesem Sommer aus.

Phase 2 ist der Zeitpunkt, sich haltbare Vorräte zuzulegen, also Konserven, Nudeln (Hartweizen, keine Eiernudeln!), Reis, Hülsenfrüchte. Füllen Sie Ihren Öltank oder Ihren Kohlenkeller. Vielleicht müssen Sie ein paar Tage warten, aber Sie bekommen noch alles. Für Edelmetalle läuft die Zeit aus, das Angebot verknappt zusehends. Raffen Sie, was Sie noch bekommen können.

In der Phase 3 manifestieren sich die Versorgungsschwierigkeiten. Diese Phase bedeutet leere Regale, sie bedeutet DDR-Wirtschaft. Wenn Nudeln nicht vorrätig sind – egal, welche Marke – kauft man eben Reis oder Kartoffeln. Und davon deutlich mehr, als man braucht, denn wer weiß, ob es das morgen noch gibt. Für viele Leute, die „just in time“ gewohnt sind, also nur das einzukaufen, was heute oder in den nächsten Tagen benötigt wird, heißt das, die Tugenden der Vorratswirtschaft neu zu erlernen. So mancher „begehbare Kleiderschrank“ wird da zur altbackenen Speisekammer umfunktioniert.

Phase 3 bedeutet Rationierungen. Die „haushaltsüblichen Mengen“, die heute ein dehnbarer Begriff sind, werden dann vorgegeben. Die Rationierungen beginnen schleichend, denn die Regierung möchte den schönen Schein solange wie möglich aufrecht erhalten. Sie bekommen 20 Liter Benzin zum ausgewiesenen Preis und müssen für jeden weiteren Liter eine „Ausgleichsabgabe“ bezahlen, eine Sondersteuer, aber Sie können noch immer an mehreren Tankstellen jeweils 20 Liter tanken. Sie bekommen im Geschäft höchstens fünf Pfund Nudeln oder Reis, aber Sie dürfen mehrmals am Tag einkaufen.

Jetzt wird es Zeit, sich mit den noch unbegrenzt erhältlichen Bedarfsgütern einzudecken. Lassen Sie Andere über die fünf Pfund Nudeln an der Kasse streiten, Ihre 100 Rollen Klopapier bekommen Sie ohne Probleme. Zucker, Salz, Schokolade, Gewürze, Brühwürfel, Instant-Soße – leeren Sie Ihren Kleiderschrank und lagern Sie das ein. Denken Sie an Papiertaschentücher und Vitaminpillen, an Aspirin und Hansaplast. Und denken Sie an den Schwarzmarkt – kaufen Sie Dinge, die Sie später eintauschen können. Schnaps und Zigaretten zum Beispiel.

Krisen-Dilettantismus

Wir haben eine Schönwetter-Regierung aus erfahrenen Parteifunktionären. Diese können andere Parteifunktionäre davon überzeugen, warum sie den Dienstwagen haben müssen und nicht der andere Kandidat. Eine Krise ist für diese Herrschaften, wenn die Wahlen anders ausgehen, als vorgesehen, und ein Koalitionspartner gewonnen werden muß, mit dem man vorher nicht gerechnet hat. Das ist kein auf Deutschland begrenztes Problem, es betrifft ganz Europa. Die EU hat jetzt, am 7. Oktober 2008, Maßnahmen für die internationale Finanz- und Bankenkrise beschlossen, die bereits im August 2007 notwendig gewesen wären.

Unsere deutsche Sprache hat hier ein sehr schönes Wort: Not-wendig, etwas, das die Not abwendet. Was im August 2007 Not-wendig gewesen wäre, ist heute nicht mehr als aktionistische Kosmetik. Die Maßnahmen der EU erfolgen zu spät und sie sind halbherzig, befolgen phantasielose Rezepte, deren Unwirksamkeit abzusehen ist. Der Königsweg der Funktionäre sind staatliche Garantien, für Spargelder oder für Banken, denn keine Großbank darf Pleite gehen.

Das Prinzip einer Versicherung läßt sich sehr leicht erklären. Angenommen, jeder der 80 Millionen hier Lebenden würde einen Euro einzahlen, dann steht eine Versicherungssumme von 20 Millionen Euro zur Verfügung. Wieso nur 20 Millionen? Weil Sie die Verwaltungskosten berücksichtigen müssen! Jede Versicherung ist mit einiger Bürokratie verbunden, bei einer so geringen Summe wird der Anteil der Bürokratie besonders exorbitant sichtbar. Wenn fünf Versicherungsfälle eintreten, dann stehen für die Regulierung jeweils viel Millionen Euro zur Verfügung, was mehr als ausreicht. Bei einer Million Versicherungsfällen haben wir gerade noch 20 Euro pro Fall, und bei einem Totalverlust, wenn alle 80 Millionen Leistungen brauchen, stehen pro Person gerade einmal 25 Cent zur Verfügung, also weniger, als ursprünglich eingezahlt worden ist.

Die Staatsgarantien nützen gerade den ersten Sparern und Banken, die sie benötigen, denn hier wird wieder einmal auf ein Schneeball-System gesetzt. Die Fürstlich privilegierte Effecten=Cassa von Mittelmietraching, mit einer Bilanzsumme von 150 Millionen Euro, die darf zusammenbrechen, die wird ausbezahlt. Aber die Deutsche Bank? Da reden wir über ein Rettungspaket von zwei Billionen Euro (für Finanzminister: das sind 2.000 Milliarden, zwei Millionen Millionen oder 2.000.000.000.000 Euro (zwölf Nullen, bitte für die nächste Regierungserklärung merken)). Das ist mehr als das Siebenfache des Bundeshaushalts und übersteigt die 1,6 Billionen der derzeitigen Staatsverschuldung.

Auf der „hohen Kante“ der Bundesbürger liegen derzeit vier Billionen Euro. Wer hat genügend Geld, um die zu ersetzen? Nun, Giesecke & Devrient und die zurückverstaatlichte Bundesdruckerei. Zwar nicht auf dem Konto, aber auf den Druckmaschinen. Der 10.000 Euro Schein hat die Größe 200 mm x 102 mm, auf einen Druckbogen passen 48 davon, bei einem Bogen pro Sekunde (das Druckverfahren ist aufwendig) in beiden Druckereien ist das Geld in gerade einmal fünf Tagen (bei Dreischicht-Betrieb, also einem Monat bei Einhaltung der gewerkschaftlich gebotenen Pausen und freien Wochenenden) gedruckt.

Und die kleinen Scheine? Also die 5.000er, 2.000er, 1.000er? Die laufen auf anderen Maschinen. Die Münzen zu 200 Euro, 100 Euro, 50 Euro, 20 Euro und 10 Euro werden woanders geprägt, die höheren Werte aus Aluminium, die niederen aus rostigem Eisenschrott. Aber keine Sorge, jeder Sparer bekommt sein Geld. Ein Krüger-Rand kostet dann eben 585.200 Euro, aber wenn Sie welche wollen, bekommen Sie davon, so viele Sie wollen. Sie können felsenfest darauf vertrauen, daß diese Regierung die Probleme in den Griff bekommt. Sie hat ja schon die Bundesdruckerei zurückgekauft, die ein früherer Finanzminister in einem Anfall von geistiger Umnachtung geringstbietend verscherbelt hatte.

Eine Anmerkung für jene Leute, die immer so gerne herumkritteln: Ich weiß durchaus, daß die Bundesregierung nicht das Recht hat, Geld zu drucken, sondern die EZB. Da aber die Sicherung der Spareinlagen europaweit beschlossen wurde, wird dieser Druckauftrag schließlich erteilt.

Eine Entschuldigung für jene Leute, die lieber einen flüssig geschriebenen Pranger ohne solche Einschübe lesen würden: Ich bekomme immer wieder Zuschriften von Leuten, die sich beschweren, daß ich nicht in jedem Pranger beim Urknall anfange, zum 64ten Mal erkläre, was Geld eigentlich ist, wie das Bankwesen funktioniert und drei weitere Kapitel Volkswirtschaftslehre einfüge. Einen Absatz später steht dann, meine Texte seien zu lang. Wenn ich diesen Herrschaften vorschlage, es doch besser zu machen, reagieren sie beleidigt. Beinchen heben am Baum eines Anderen ist eben leichter, als selbst einen Baum zu pflanzen.

Improvisieren als Regierungskunst

Die Ereignisse werden die Kanzlerin in kleinen Trippelschritten vor sich hertreiben. Kosmetische Lösungen, wie die Erhöhung der Krankenkassenbeiträge um 0,6% bei gleichzeitiger Senkung der Arbeitslosenversicherung um 0,5%, um sich Mehreinnahmen auf Kosten der Rentner zu sichern, die zwar Krankenkasse, aber keine Arbeitslosenversicherung bezahlen, werden nicht mehr möglich sein. Das sind keine Reformen, sondern Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Verwaltungsangestellte.

In nächster Zeit werden wir so viele „Krisengipfel“ erleben, daß die Krise ein Dauerzustand wird, die nicht mehr in „Gipfeln“ behandelt wird, sondern im Alltagsgeschäft der Kabinettsrunden. Eine strategische Planung, ein vorausschauendes Regieren, ist nicht mehr möglich, da die Ereignisse jegliche Planung zunichte machte. Es liegt dann nicht mehr an der Unfähigkeit der Parteibonzen, daß improvisiert werden muß, daß Gesetze und Kabinettsvorlagen schon überholt sind, während die Druckerschwärze auf den Veröffentlichungen noch trocknet.

Der blindwütige Aktionismus resultiert daraus, daß kein Minister wirklich fachkundig ist. Der Parteifunktionär ist den Vorlagen der Experten ausgeliefert. Der Ministerialdirigent behält solange recht, bis ein Talkshow-Professor etwas ganz anderes behauptet (also sechs Stunden später), dessen Ansichten werden jedoch durch einen Parteifreund revidiert, der sich auf Landkreisebene fachkundig gemacht hat und am nächsten Tag anruft. Der Bürger erwartet, daß wir etwas tun, glauben die Herrschaften. Und das werden sie dann, derart intensiv, daß sogar die Kanzlerin ihre Weltreisetätigkeit ein wenig einschränken muß.

In dieser Zeit werden Köpfe rollen, allerdings nur symbolisch. Die Zeit für Idiotien, wie sie sich die CSU mit der alten Pendlerpauschale geleistet hat, die in Bayern als Wahlkampfschlager propagiert wurde, um sie wenig später im Bund abzulehnen, weil der Antrag von den bösen Linken eingebracht wurde, läuft dann ab. Dies ist die Zeit der Bauernopfer, das jeden treffen wird, der seiner Kanzlerin dadurch mehr Zeit im Amt erkaufen kann.

Jetzt, wenn die Regierung improvisiert, sich von einem Tag auf den anderen rettet, erleben wir den Übergang von Phase 2 zur Phase 3. Eine Großbank zerbröselt, der DAX sinkt unter 4.000 Punkte, internationale Spannungen nehmen zu, im Volk beginnt es zu gären – die Strukturen, die scheinbar für die Ewigkeit gefügt waren, lösen sich auf. Leserbriefe, die früher zwecks Diagnose an die Klapsmühle weitergeleitet worden wären, werden jetzt veröffentlicht, um der Bevölkerung eine gewisse Freiheit vorzugaukeln. Im Fernsehen werden bösartige Kommentatoren zu Wort kommen, doch auch das ist nur eine Ablenkung, ein kleines Ventil, um ein wenig Dampf aus dem Kessel zu lassen.

Die Kanzlerin gibt ein paar Regierungserklärungen ab, die Minister ermahnen zu Ruhe und Vernunft, ein paar Bankenbosse werden ausgetauscht (die Abfindungen werden bezahlt, aber nicht veröffentlicht). Mit anderen Worten: Aus dem Führerbunker wird der bevorstehende Endsieg durch die neuen Wunderwaffen angekündigt. Vermutlich hören wir noch, daß Deutschland immer noch in dem längst verlorenen amerikanischen Krieg am Hindukusch verteidigt wird und wir in unverbrüchlicher Solidarität zum Pleite-Staat Israel stehen. Das muß die Kanzlerin tun, weil ihr sonst keinerlei Spielräume mehr in der Außenpolitik verbleiben.

Eine Lösung bleibt uns diese Regierung schuldig. Avanti, Dilettanti – der Stoibersche Wahlkampfspruch wird zum Regierungsmotto. Allerdings wird das nicht sehr lange gut gehen.

Das Zeitalter der Vernunft – Phase 4

Zuckerrübenbauern mögen sich persönlich spinnefeind sein, aber wenn es darum geht, Zuckerrüben zu verkaufen, halten sie zusammen wie Pech und Schwefel. Genau das werden wir auch bei Berufspolitikern erleben. Hier geht es nicht um Zuckerrüben, sondern um die persönlichen Pfründen und die weit überhöhten Pensionszahlungen, die nur fortgesetzt werden, wenn die Profiteure im Amt bleiben. Einer Frau Künast oder einem Herrn Lafontaine steht das Hemd der persönlichen Brieftasche immer näher, als der parteiideologische Rock. Deshalb werden sich im anbrechenden Zeitalter der Vernunft absonderliche Allparteien-Bündnisse bilden.

Jetzt ist auch die Bundeskanzlerin nur noch ein Bauernopfer, denn jetzt geht es um alles, also um die eigenen Dienstwagen. Wir haben schließlich eine Krise – das wird jetzt ganz offiziell verkündet – und folglich wird gehandelt. Wer der neue Kanzler wird? Jemand aus der zweiten Reihe, denn die, welche jetzt vorne stehen, sind alle verbrannt. Besser, eine Angela Merkel wird auf dem Altar der Parteipolitik geschlachtet, als auf dem Schafott der Revolutionsregierung hingerichtet. Denn man die führenden Nullen rechtzeitig auswechselt, bleiben deren Köpfe auf den Schultern, glaubt man aus der französischen Revolution gelernt zu haben.

Wir dürfen uns also auf ein paar neue Köpfe einstellen, die uns das Programm der Vernunft verkünden. Es ist schließlich vernünftig, Bezugsscheine für knappe Güter auszustellen. Da wir immer noch in einer sogenannten Demokratie leben, dürfen Sie diese Bezugsscheine handeln, gerne auch auf EBay (da ist der Handel einfacher zu überwachen). Wenn Sie als Vegetarier Ihre Fleischmarken nicht brauchen, können Sie damit ein schönes Sümmchen erzielen, oder diese gegen Biogemüse aus kontrolliert genoptimierten Anbau eintauschen. Zum Schutz der Banken wird die wöchentliche Auszahlungssumme auf 500 Euro begrenzt (heutige Kaufkraft, dann natürlich 500.000 Euro). Sie haben schließlich Ihre Spareinlagen vollständig ersetzt bekommen, oder etwa nicht?

Wir brauchen in diesem Zeitalter keinen Wettbewerb. Was unterscheidet „Böhms gute Eiernudeln“ denn wirklich von „Friedemanns original italienischer Hartweizen-Pasta“? Es reicht doch, wenn wir zur Rationalisierung BVO (Bundesversorgungs-Organisation) halbbreite Bandnudeln in die Geschäfte bringen. Die passen zum Sonntagsbraten ebenso wie als Suppeneinlage, außerdem werden sie zu einem vernünftigen Preis angeboten, für 95,- Euro pro 235 Gramm, der idealen Menge für eine kalorienbewußte Familie.

20 Liter Super monatliche Zuteilung reichen zwar nicht, wenn man täglich 35 Kilometer zur Arbeit pendeln muß, aber wenn man mit seinem Arbeitgeber vereinbart, fünfmal im Monat eine 30-Stunden-Schicht abzuleisten, geht es eben doch. Wir müssen alle nur ein wenig vernünftiger sein, oder?

Goldbesitz und Goldhandel sind nicht verboten, aber aus Vernunftgründen wird beides staatlich registriert. Sie bekommen bei allen verstaatlichten Banken die Eine-Million-Euro-Münze angeboten (eine Unze Feingehalt), und können überall Ihre Krügerrands usw. zu 525.400 Euro verkaufen. Zumindest wenn Sie Ihre neu zugeteilte Steuernummer, Ihren maschinenlesbaren und mit biometrischen Merkmalen versehenen Personalausweis, sowie Fingerabdrücke und DNS-Proben hinterlegen. Zum Schutz vor Betrügern müssen auch Verkäufe zwischen Privatleuten über die Staatsbank-Filialen abgewickelt werden, gegen eine kleine Service-Gebühr von 150.000 Euro. Aber es wird kein Goldverbot geben. Definitiv nicht!

Die Allparteien-Regierung wird alles tun, um das Vertrauen der Sparer in ihre Währung zu erhalten. (Haben Sie bemerkt, daß „ihre“ hier kleingeschrieben ist?) Sie wird das simulieren, was die jetzige Regierung versäumt hat: Führung. Sie wird derart intensiv führen, daß uns dagegen der frühere Führer als linksliberal erscheinen wird. Wie soll dringend benötigtes neues Vertrauen in die Wirtschaft entstehen, wenn alles schlechtgeredet wird? Da ist es doch besser, wenn eine vorübergehende Zensur eingeführt wird. Wenn diese Seite hier ein paar Tage oder Jahrzehnte vom Internet verschwindet, wird doch wirklich kein Schaden angerichtet. Und es ist doch nur vernünftig, wenn Leute wie ich in… geschlossenen Seminaren die Grundlage der vernünftig geplanten Marktwirtschaft nachholen dürfen.

Leider gibt es keinen Heizöl-Ersatz, aber wer ein wenig sparsamer heizt und dafür zwei Pullover mehr anzieht, fühlt sich bei 14° in seinem Wohnzimmer pudelwohl. Jeder Fernsehkoch wird Ihnen kleine Tricks verraten, zum Beispiel Nudelwasser nicht einfach in den Ausguß zu kippen, sondern in die Wärmflasche. So werden Sie gar nicht merken, daß in Ihrem Schlafzimmer gerade einmal 3° herrschen. Dafür können Sie Ihren Kühlschrank ausräumen, denn Ihr Schlafzimmer eignet sich viel besser als Vorratsraum. Sie sehen, mit ein wenig Vernunft kommen wir alle komfortabel durch die Krise.

Spielen Sie nicht va Banque, sondern räumen Sie den Spieltisch ab, wenn die Gelegenheit da ist. Wenn ein bis drei Goldmünzen ausreichen, um Ihre Hypothek abzulösen, tun Sie es und warten nicht auf noch bessere Zeiten. Wenn fünf bis zehn Goldmünzen einen Bauernhof mit ein paar Hektar Ackerland kaufen, tun Sie es – und fragen Sie den vorherigen Besitzer, ob er nicht als Pächter bleiben möchte. Gegen Natural-Pacht, natürlich. Jedenfalls dann, wenn Sie von Kartoffeln nicht mehr wissen, als daß die in Streifen geschnitten aus der Tiefkühltruhe kommen.

Die große, weite Welt

Das ist natürlich nicht die Welt von Peer Steinbrück, sondern eher die von Peer Stuyvesant, oder die von Pan Am… falls sich jemand noch an die Werbespots erinnern sollte. Also, die große, weite Welt, das ist Amerika. Wir haben schließlich das Zeitalter der Vernunft, also ist es nur vernünftig, wie das berühmte Kaninchen auf die Schlange USA zu starren. Die Schlange hat eine dollargrüne Zunge und ein paar Giftzähne. Letztere heißen US-Army, US-Navy, US-Marines und US-Air Force. Diese vielen Gottesgaben – alttestamentarische Version – muß man natürlich nutzen, sonst ergeht es einem wie jenem Knecht, der sein Talent vergräbt (neutestamentarisch).

Da sich unsere alttestamentarischen Freunde in Israel von den Gog, Magog und Persern fürchterlich bedroht fühlen, sollte man ihnen helfen. So nach dem 4. November, wenn die Amerikaner einmal mehr den falschen Präsidenten gewählt haben (also nicht Lyndon LaRouche). Sollten also die Perser mit ihrem Geheimdienst Mossad einen Giftgasanschlag auf eine von Touristen besuchte Diskothek in Tel Aviv durchführen, muß die israelische Luftwaffe vorsorglich die iranischen Atomanlagen bombardieren. Und weil die Perser nicht begreifen, daß dies nur eine liebevolle Erziehungsmaßnahme des Apartheitsstaates Israel darstellt, müssen die USA ihre jüdischen Freunde vor einem Vergeltungsschlag der bösen Iraner schützen, indem sie vorsorglich damit beginnen, die Demokratie herbeizubombardieren.

Warum ich mich davon nicht abbringen lasse? Weil Israel bisher auf JEDE gefühlte Bedrohung ausschließlich mit massiven Militärschlägen reagiert hat – und weil die USA bisher JEDES wirtschaftliche Problem mit Krieg gelöst haben. Die Südstaaten hatten 1860 keine Lust, die Industrialisierung des Nordens zu finanzieren? Auf in den Bürgerkrieg! Die USA waren 1913 im Ausland hoch verschuldet? Auf in den ersten Weltkrieg! Und als die Schuldner der USA zu verlieren drohten, schickte man eben Truppen. Die USA sind seit 1929 in einer wirtschaftlichen Depression? Im Deutschen Reich wartet die größte Kriegsbeute aller Zeiten, weniger in Gold, doch unermeßliche Schätze an Technologie und Patenten!

Warum sollten die USA ihr bewährtes Rezept aufgeben? Nie war Erdöl wertvoller als heute! Sacken wir es ein! Heute gehört uns der Irak, morgen ganz Persien!

Ach ja, die Kriegskosten… Die sind natürlich beträchtlich. Die sollten unbedingt noch in Dollar bezahlt werden. Solange muß die Zombie-Währung noch am Leben erhalten werden, koste es den Vasallen soviel Gold, wie es wolle. Europa kauft Dollar, um deren Wert zu stützen, alle Europäer bezahlen somit Kriegssteuer an die USA. Vor der Wahl wäre eine Währungsreform äußerst unpassend, danach führen wir den kleinen Krieg und anschließend entschulden wir uns auf Kosten der ganzen Welt. Die Chinesen haben massenhaft Dollar? Pech… Die Russen? Mein Gott, die waren böse Commies, wer soll sich um die scheren! Und die Europäer und Japaner? Die haben die Kriege verloren, also sollen sie weiterhin zahlen. America first!

Der Gipfel der Vernunft

Jetzt wird es Zeit, auch in Europa die allerhöchste Vernunft anzunehmen. Überaus vernünftig ist es, den längst entwerteten Euro endlich aufzugeben. Ich bitte Sie, was wollen Sie mit einer Währung, für die niemand bereit ist, auch nur ein Gramm Gold zu verkaufen? Also niemand, der nicht dringend Geld braucht? Diesen Schrott braucht niemand, nicht die von den USA eroberten Ölstaaten, noch das auf finanzielle Unterstützung angewiesene Kriegsopfer Israel. Folglich sollten die Europäer endlich ihre Währung aufgeben.

Wenn die Amerikaner den Dollar abschaffen, werden sie den Europäern großzügig erlauben, dem neuen Amero-Raum als Junior-Partner beizutreten. Es genügt, wenn die US-FED die Geldpolitik lenkt, die Europäer hatten ihre Chance und brauchen sich im gemeinsamen Währungsraum um solche Nebensächlichkeiten nicht mehr zu kümmern. Kolonien wurden immer vom Mutterland aus verwaltet, das war noch nie anders. Es ist schließlich nur vernünftig, das zu tun.

Und ja, wenn der Amero eingeführt ist, könnte man darüber nachdenken, in einigen Monaten die Bewirtschaftung abzuschaffen. Jetzt, mit einer guten, neuen Währung, braucht niemand mehr Lebensmittelmarken. Also nicht jetzt, sondern bald. Also bleiben Sie bitte vernünftig.

Denken Sie außerdem an die Kosten. Selbst Geld läßt sich nicht umsonst drucken. Wofür gibt es schließlich Elektronik? Eine Chipkarte ersetzt das lästige Wechselgeld, Sie haben immer jeden Betrag genau passend. Aber halt, da gibt es noch zwei kleine Probleme: Geldkarten müssen Sie immer wieder aufladen, selbst wenn Ihr Konto vor Liquidität überquillt. Also sollte Ihre Geldkarte nicht aufgeladen werden, sondern Ihnen jederzeit Zugriff auf Ihr gesamtes Guthaben bieten. Da wäre es jedoch unvernünftig, wenn die Geldkarte einfach gestohlen würde. Der Dieb könnte alles mit Ihrem Geld bezahlen… Da ist es nur vernünftig, ein paar Sicherungen einzubauen. Fingerabdrücke, Retina-Scan, DNS-Proben… Aber womöglich ließen sich sogar die fälschen. Also machen wir es gleich richtig und implantieren Ihnen die Geldkarte. Da gibt es jene Chips, die Ihr Haustier längst mit sich herumträgt, natürlich ohne damit bezahlen zu können. Sie merken gar nicht, daß Sie einen Chip unter der Haut haben.

Ja, das ist alles überaus vernünftig. Die Regierung erfährt, wo immer Sie sich aufhalten, weil der Chip bereits an der Eingangstür abgefragt wird. Ihre Krankenkasse erfährt, wenn Sie Schnaps oder Kartoffelchips kaufen, die Ihnen Ihr Hausarzt verboten hat. Das Finanzamt erfährt, wo immer Sie nebenbei arbeiten, weil es BAT (Bar auf Tatze, vornehm Tafelgeschäft) nicht mehr gibt. Jede Transaktion, die über den reinen Tauschverkehr hinausgeht, wird elektronisch erfaßt.

Sehen Sie bitte ein, daß dies alles zu Ihrem Besten ist. Das ist das einzige Vernünftige. Sprechen Sie also weder von einem Orwell-Staat, noch vom großen Bruder, sondern seien Sie dankbar dafür, daß jetzt erstmalig die Vernunft regiert. In dieser vernünftigen Welt bekommen Sie Arbeit zugeteilt und werden zu einem nützlichen Glied der Gesellschaft. Vielleicht bekommen Sie sogar Ihre bunte Kanzlerin zurück, an die Sie sich bereits gewöhnt haben. Jedenfalls sind Sie gesünder als je zuvor, weil der Chip Ihre Lebensfunktionen überwacht. Die reine Zahlungsfunktion würde ihn ja unterfordern. Die große Bundeszentraldatenbank weiß alles und sie ist stets zu Ihren Diensten, um Ihr Leben zu vereinfachen.

Das Zeitalter der Vernunft beendet die Versorgungsschwierigkeiten der Phase 3. Aber leider sind wir Menschen nicht vernünftig, deshalb sind wir auch nicht geeignet, um dauerhaft in einem Zeitalter der Vernunft zu leben. Trotz aller Fürsorge des großen Bruders wird das Zeitalter der Vernunft nicht sehr lange dauern. Die ganze Lumperei der Obrigkeit kommt auf und die Bevölkerung wird aufbegehren. Wir kommen in Phase 5 – die Zeit der Volksunruhen. Da sind wir dann wieder unvernünftig, sagen unsere Oberen. In Wirklichkeit sind wir dann drauf und ran, Vernunft anzunehmen.

Quellen:

Artikeltext: Michael Winkler

http://www.michaelwinkler.de/

Grafik :

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