Unter Druck

Bis zum 18. Juni hatten  Investoren Zeit, ein Gebot für die Firma abzugeben, deren Wert auf eine Milliarde Euro geschätzt wird. Während der Elektronikkonzern Bosch nach Angaben einer Konzernsprecherin nicht mehr mitbieten will, sollen die Firmen Giesecke & Devrient sowie der TÜV Nord noch im Rennen sein. Auch ausländische Firmen wie die US-amerikanische 3M haben Interesse an der Firma geäußert.

Die einstmals an einen amerikanischen Investor verkaufte Staatsfirma wurde von diesem mit Schulden belastet, gilt aber inzwischen als saniert. Entscheidend war dabei der Auftrag zur Herstellung der deutschen elektronischen Reisepässe. Dieser Auftrag verleiht indes dem Bieterverfahren eine besondere Brisanz, weil die Bundesdruckerei über Adressen, Fotos und Unterschriften der Bundesbürger verfügen kann. Gerade der Telekom-Skandal habe gezeigt, wie wichtig der Schutz sensibler Daten sei, berichtet die Süddeutsche Zeitung von Warnungen seitens der Bundesdruckerei. Entsprechend dieser Bedeutung des Unternehmens strebt darum die Bundesregierung an, sich mit einer Minderheitsbeteiligung ein Mitspracherecht zu sichern.

Der Druck von Banknoten, Reisepässen und Personalausweisen geht acht Jahre nach Privatisierung der Bundesdruckerei wieder in die Hand des Bundes über. Die Gesellschafter des Unternehmens sowie Finanz- und Innenministerium einigten sich “grundsätzlich“ darauf, dass die Bundesdruckerei “zur Wahrung der nationalen sicherheitspolitischen Interessen“ an die Bundesrepublik Deutschland verkauft wird.

Gesellschafter und Geschäftsführer der Bundesdruckerei GmbH begrüßen diesen Schritt. Damit sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Weiterführung der Bundesdruckerei GmbH im nationalen wie auch internationalen Geschäft mit ID-Produkten und Banknoten gewährleistet. Der Erwerb der Bundesdruckerei GmbH schafft auch eine sicherheitspolitische Voraussetzung zur Vergabe der Herstellung des elektronischen Personalausweises an die Bundesdruckerei GmbH. Gleichzeitig wird die Bundesdruckerei GmbH an ihrem Standort in Berlin eine neue Produktionsanlage mit einem Gesamtwert von bis zu EUR 50 Mio. errichten und hiermit ein Bekenntnis zum Standort Berlin und der Erhaltung der heute ca. 1300 Arbeitsplätze abgeben.

Die Bundesrepublik Deutschland hat 2000 die Bundesdruckerei GmbH durch Veräußerung an einen Finanzinvestor privatisiert. Der wirtschaftliche Einbruch im Telekommunikationsmarkt führte zu erheblichen Belastungen bei der ORGA Kartensysteme GmbH, der damaligen Tochter der Bundesdruckerei GmbH. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten ihrer Tochter brachten auch die Bundesdruckerei GmbH in große finanzielle Bedrängnis. Zur Lösung dieser existenziellen Schwierigkeiten vereinbarten der Bund, die Banken und Altgesellschafter ein Sanierungskonzept, in dessen Folge die Bundesdruckerei GmbH mittelbar von Partnern der internationalen Sozietät Clifford Chance und einem Frankfurter Unternehmensberater übernommen wurde.

Die Restrukturierung und Sanierung der Bundesdruckerei GmbH ist zwischenzeitlich erfolgreich abgeschlossen. Die Bundesdruckerei GmbH ist heute wieder ein profitables Unternehmen und weltweit führend auf dem Gebiet der ID-Technologie und des Banknotendrucks. Das Unternehmen wird mit aller Kraft daran arbeiten, seine erfolgreiche Position in diesem hart umkämpften Marktumfeld weiter auszubauen. Der Verkaufsprozess, den die Gesellschafter in enger Abstimmung mit der Bundesrepublik Deutschland zu Beginn des Jahres mit Unterstützung der M&A-Berater von Rothschild GmbH, Frankfurt, begonnen hatten, soll nunmehr zügig zu Ende geführt werden.

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