Ein Herz für Tiere ?

Der Soziologe Kevin Bales definiert moderne Sklaverei als „die vollkommene Beherrschung [einer Person] durch andere zum Zweck wirtschaftlicher Ausbeutung“. Demnach lässt sich sagen, sofern man eine weiter gefasste Auslegung des ‚Subjektes‘ zulässt, dass sich die Grundzüge der Sklaverei zu einem maßgeblichen Bestandteil unserer historischen und gegenwärtigen Zivilisation herausgebildet haben. In Anwendung auf Menschen erfahren solche Zustände größtenteils gesellschaftliche Ächtung, Ablehnung sowie politische Entkräftung. Angewendet auf sogenannte „Nutz-Tiere“ außerhalb der menschlichen Spezies erhält Sklaverei jedoch fast überall das gleiche: Akzeptanz und Zustimmung.

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Allgemein anerkannt und erwiesen ist, dass Menschen und andere nichtmenschliche Tiere gemeinsame Erfahrungsmuster sowie gleiche körperliche und psychische Voraussetztungen von existenzieller Bedeutung miteinander teilen. Bei einer Vielzahl von Tierarten können wir uns sicher sein, dass es sich dabei um Gruppen eigenständiger und (mit)fühlender Individuen handelt. Biologische Merkmale und Empfindungen wie Schmerz, Wohlsein, Unwohlsein, Zuneigung, Angst, Stress, etc. geben uns direkte Hinweise auf grundlegende Fähigkeiten. Diese gemeinsame Grundlage ist von überaus wichtiger Bedeutung, wenn es darum geht, unseren Umgang mit anderen Lebewesen aus ethischer Perspektive zu beurteilen. Tiere sind grundsätzlich weder Automaten noch sind sie Sklaven, die für Menschenhand geschaffen sind. Trotzdem stehen wir einem System der Ausbeutung gegenüber, bei dem den Nutztiersklaven lediglich minderwertige persönliche Interessen zugesprochen werden. Tiere werden mit „Tonnen“ und „Großvieh-Einheiten“ berechnet, Schweine werden über Rein-Raus-Methoden in Rekordzeit gemästet und im Akkord begast, entblutet und geschlachtet. Milliarden Hühner werden extra für die Produktion von Eiern vernichtet geschweige denn werden hochgezüchtete Legehennen für den Eikonsum lebenslang eingesperrt und ausgebeutet. Kühe, Schafe, Ziegen et al werden für den Ertrag ihrer Muttermilch gefangen gehalten und letztendlich umgebracht. Kälber, Küken, verletzte und alte Tiere werden im menschengemachten Ausnutzungs-Apparat aussortiert; sind Opfer unter Opfern.

ÖKO, BIO oder konventionell – man zwingt Tiere zweck-gebunden in wirtschaftsförmige Lebensräume. Stall oder Wiese, Zaun oder Wand – das Nutztier wird in vordefinierte Zonen gedrängt. Die kontinuierlich wachsende Nachfrage einer milliardenschweren Weltbevölkerung festigt die wirtschaftliche Ausbeutung von Lebewesen innerhalb konsumgeprägter Strukturen. Es gibt auch gegenläufige Trends. Aber genau an dem Punkt, wo wir Tiere als Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen und Ansprüchen angemessen anerkennen möchten, wo wir sie vielmehr gut und nicht mehr schlecht behandeln wollen, genau an dieser Stelle gerät die ‚moderate‘ Ausnutzung und Tötung mit der tatsächlich gerechten Behandlung in Konflikt. Bio-Hundefleisch? Öko-Katzencurrywurst? Freiland-Wellensittich-Frikasse? Für viele undenkbar. Rinder, Schweine und Hühner fallen durch’s moralische Raster, weil sie eben jene kulturellen Verlierer sind, die durch Sitten und Gebräuche zu Nutztiersklaven diskriminiert werden. Der „Wert“ eines Nutztieres wird geformt durch Tradition. Welche Tiere an welchen Orten dieses Planeten speziell als „Nutztiere“ gehandelt werden, trägt vielmehr willkürliche moralische Züge. Dieses Fundament menschlicher Willkür zu durchbrechen und sich gegen den Trend der Ausbeutung zu engagieren, um daraufhin die Interessen von fühlenden Lebewesen gleichartig zu berücksichtigen, weist auf einen kulturellen Fortschritt hin. Nachfolgende Generationen werden es so sehen!

Jedes Individuum hat ein grundlegendes Interesse daran, kein Sklave zu sein und unbeherrscht zu leben. Diesem Interesse gilt es, Achtung entgegen zu bringen und daraufhin wirksame Konventionen zum Schutz dieser Interessen zu entwickeln. Für eine Zukunft frei von Sklaverei!

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