Startseite > Internationale Politik, Medien, NGO / WTO, NWO, Propaganda, Seilschaften > Illusion der Illusionen und die Iran-Einschätzung der amerikanischen Geheimdienste

Illusion der Illusionen und die Iran-Einschätzung der amerikanischen Geheimdienste

login-symbol.gif Gefährliche Illusion

Über die neue Iran-Einschätzung der amerikanischen Geheimdienste

Von Matthias Küntzel

Das jüngste amerikanische Geheimdienstpapier über den Iran löste in Europa eine emotionale Wirkung aus, die mich an die verzückte Reaktion auf Chamberlains Auftritt vom 30. September 1938 erinnert, als dieser vor die wartende Volksmenge in der Londoner Downing Street 10 trat, und verkündete: „Der Friede in unserer Zeit ist gerettet.“

Wenn auch viele Kommentatoren davor warnten, den internationalen Druck auf Teheran zu reduzieren, so dominierte doch ein Gefühl großer Erleichterung: „Puh, doch kein Weltkrieg!” – mit diesem Ausruf verlieh eine Überschrift in der ZEIT dem kollektiven Aufatmen Ausdruck.

Im Zentrum der Berichterstattung stand nicht die bittere Erkenntnis, dass der iranische Militärapparat bis 2003 explizit die Entwicklung der Atombombe vorangetrieben hat, sondern die gute Nachricht des National Intelligence Estimate (NIE), dass dieses Programm „als Reaktion auf internationalen Druck gestoppt wurde“, was beweise, „dass Iran gegenüber Einflussnahme empfänglicher ist, als wir vorher angenommen haben.“ Wenn Teheran sich schon 2003 dem internationalen Druck gebeugt habe, so die implizite Schlussfolgerung, dann werde es dies sicher auch in Zukunft tun. „Das iranische Regime“, so fasste der Autor des oben erwähnten ZEIT-Artikels den NIE-Report ebenso unkritisch wie korrekt zusammen, „betreibt Außenpolitik weniger nach ideologischen Kriterien, sondern nach einer nüchternen Kosten-Nutzen-Analyse.“[1]

Hier hat das Wunschdenken den Verstand narkotisiert. Schließlich haben die letzten fünf Jahre Irandiplomatie zweifelsfrei erwiesen, dass die Mullah-Diktatur eben nicht so funktioniert, wie andere Staaten der Welt. Teheran ignoriert sowohl das Zuckerbrot der ökonomischen Anreize als auch die Peitsche der internationalen Isolation und treibt sein waffenrelevantes Atomprogramm um jeden Preis voran. Diese Erfahrung wird in dem Bericht der Geheimdienste aber nicht einmal gestreift. Stattdessen sucht man die Trümmer der gescheiterten Atomdiplomatie durch ein neues Iranbild zu verdecken: Teheran, so heißt es im Bericht sei „weniger entschlossen, Atomwaffen zu entwickeln, als wir dies seit 2005 angenommen haben“. Prompt verbreitet die deutsche „Bundesagentur für Außenwirtschaft“ das Bild einer „neuen politischen Großwetterlage“, welche ernsthafte Handelssanktionen gegen Iran „völlig unverständlich“ erscheinen lasse.[2]

Dabei führen die amerikanischen Geheimdienste für ihre waghalsige Behauptung nur einen einzigen Beleg ins Feld: Im Herbst 2003 habe Teheran wegen „internationaler Aufmerksamkeit und Druckausübung“ sein Atomwaffenprogramm gestoppt. Doch ist gerade diese Aussage des Berichts – der Kern, auf dem alle Schlussfolgerungen basieren! – ohne Substanz.

Originaltext…..weiter lesen

 

  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s