Startseite > Allgemein, BRD / Deutschland, Gesellschaft, Internationale Politik, Literatur / Studien > ≡ Warnung vor Biopharming – es wird Gott gespielt ≡

≡ Warnung vor Biopharming – es wird Gott gespielt ≡

Nach dem Auftauchen des nicht zugelassenen Gentech-Reises LL601 liegen jetzt die Ergebnisse der ersten Testreihen durch europäische Reismühlen vor. Danach war jede fünfte Probe verunreinigt, wie die Europäische Kommission mitteilte. Möglicherweise ist der illegale Reis sogar im europäischen Lebensmittelhandel gelandet. Nachdem Greenpeace eine kontaminierte Sorte bei Aldi ausmachte, räumte der Discounter vorsorglich die Regale aus. Die Dimension der Verunreinigung beunruhigt. Denn eigentlich wollte diesen Reis niemand. Bayer hatte offenbar nicht vor ihn zu kommerzialisieren, weil die Performance angeblich enttäuschte. Viele US-Reisbauern haben mit Gentech-Varianten generell wenig am Hut und die Verbraucher lehnen Genfood ohnehin mehrheitlich ab.
_
_

Das US-Landwirtschaftsministerium hat schon einige Feldversuche mit genveränderten Pflanzen, die medizinische Wirkstoffe enthalten, zugelassen

Am selben Tag, als die International Service for the Acquisition of Agri-biotech Applications (ISAAA) in Manila die pfeil.gif Zahlen über den weltweiten Anbau von genveränderten Pflanzen vorlegte, präsentierte die Umweltschutzorganisation Friends of the Earth in Kuala Lumpur, Lagos und Brüssel ihren Bericht, der belegen soll, dass genveränderte Pflanzen die von der Industrie geäußerten Versprechungen nicht erfüllen. Sie führen zu einem verstärkten Einsatz von Pestiziden und können weder Hunger noch Armut bekämpfen.

Die Probleme, die schon mit der Vermischung etwa von genverändertem Reis und anderen Reissorten auftraten, könnten dann tatsächlich problematisch werden. Bislang ist noch nicht klar, ob genveränderte Pflanzen negative Folgen für die menschliche Gesundheit haben können, auch wenn die Folgen des Anbaus und die mit Genmanipulation einhergehenden Versprechungen umstritten sind. Wenn aber beispielsweise im Reis, den man als Nahrungsmitteln kauft, auf einmal Sorten enthalten sind, die Hormone, Impfstoffe oder medizinische Wirkstoffe enthalten, dann wird dies sehr viel problematischer.

2007 hatte das Landwirtschafsministerium, genauer die dafür zuständige Animal and Plant Health Inspection, für den Anbau einer Reissorte mit den zwei Genen eine vorläufige Zulassung erteilt, die die zwei menschlichen Proteine Lactoferrin und Lysozym codieren. Diese Proteine kommen in der Muttermilch vor und wirken antiviral, antibakteriell und antifungizid. Mit dem Reis sollen Magen-Darm-Erkrankungen und tropische Infektionen behandelt werden        pfeil.gif(Freilandanbau von genverändertem Reis mit menschlichen Proteinen).

Am 15. Februar 2008 wurde einer genveränderten Tabakpflanze, die von           pfeil.gif Planet Biotechnology entwickelt wurde, ebenfalls Unbedenklichkeit für einen geplanten Feldversuch pfeil.gif bescheinigt. Die Nicotiana-Sorte enthält einen antibakteriellen Antikörper, um das Bakterium Streptococcus mutans zu bekämpfen, das im Mund von Menschen für die Entstehung von Karies mit verantwortlich ist. Nach der Ernte soll aus den Pflanzen der Antikörper gewonnen. Zwar waren in der Zeit, als der Feldversuch bekannt gegeben wurde und Kommentare abgegeben werden konnten, nur insgesamt sechs Kommentare eingegangen, die sich aber alle für ein Verbot des Feldversuchs aussprachen, was das Landwirtschaftsministerium aber nicht beeindruckt zu haben scheint.

Wenn Pflanzen in großem Stil und ohne hinreichenden Schutzmaßnahmen auf Feldern gezüchtet werden, dann können sich Samen durch Wind oder Insekten verbreiten und so die gentechnisch modifizierten Eigenschaften etwa einer Reissorte auf eine andere übertragen bzw. andere Reisfelder kontaminieren. Mit der Ernte würden dann auch Menschen, die die Medikamente oder Hormone nicht benötigen oder für die sie gefährlich sein können, in Gefahr geraten, nicht gewöhnlichen Reis, sondern darunter vermischt veränderten Reise zu sich zu nehmen.

„Was wären die gesellschaftlichen Folgen, wenn beispielsweise Cornflakes mit einem Medikament oder einer Chemikalie kontaminiert wären?“, pfeil.gif fragt Karen Stillerman von der UCS. Sie wies auf der Jahrestagung der AAAS auf die vermutlich entstehenden wirtschaftlichen Kosten hin. Vorstellen kann man sich dies, welche Folgen 2006 die Kontamination von Reisexporten in die EU mit in den USA ungenehmigt angebauten genveränderten LL601-Reis hatte (Der Reis, den keiner wollte). Der herbizidtolerante Reis war nur zu Testzwecken angebaut worden, ist aber versehentlich in die normale Reisernte geraten. Die Bauern mussten teilweise erhebliche Verluste in Kauf nehmen pfeil.gif (Schuld ist der liebe Gott …).

Die UCS ruft zu einem Verbot für den Freilandanbau von genveränderten Pharma-Pflanzen an, wenn es sich um Arten handelt, die auch von Menschen oder Nutztieren verzehrt werden. Anfang dieses Jahres hatte das Landwirtschaftsministerium Milch und Fleisch von geklonten Rindern, Schweine und Ziegen für sicher erklärt, so dass sie nun ohne Kennzeichnung auf den Markt kommen können pfeil.gif (USA: Lebensmittelprodukte von geklonten Tieren zugelassen).

 

 

  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s