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≡ Demokratie ohne Demokraten ≡

Die Demokratie ist keine deutsche Erfindung. Nach dem ersten Weltkrieg in Deutschland erstmals etabliert, litt sie unter dem Odium und den Folgen der Niederlage, das Dritte Reich war das Ergebnis. Nach 1945 war die Errichtung der Demokratie in den drei Westzonen eine Folge des Zusammenbruchs der Hitler-Diktatur. Schlechte Startbedingungen. Um so schöner war es, als die Demokratie mit dem Grundgesetz den Deutschen eine Verfassung schenkte, die noch heute – trotz nicht weniger Einschränkungen – die freiheitlichste ist, die es in Deutschland je gab und wohl auch geben wird. Trotz allem entstand keine aktive staatsbewusste aktive bürgerliche Gesellschaft mit demokratischem Gesicht auch im Alltag.

Wie schon von George Orwell in „Die Farm der Tiere“ dargelegt, waren manche gleicher als gleich, und differenziert war daher die Befolgung der staatsbürgerlichen Pflichten. Die Wehrpflicht wurde gerade vom Bürgertum gern umgangen und der Steuerpflicht, nun ja, sehr individuell nachgekommen. Man kannte die Schliche. Auch die Schulpflicht wird seit Jahren gern an Privatschulen abgefedert.

Der Staat war in den fünfziger und sechziger Jahren im Westen gut bei Kasse und in den 70er, 80er Jahren noch ausreichend kreditfähig, so dass er die Bevölkerung immer wieder mit Wohltaten, vor allem, vor Wahlen verwöhnen konnte. Ab den 90er Jahren merkte man die Gefährlichkeit dieser Praxis und wäre froh gewesen, man hätte manche Leistungen gar nie eingeführt. Es prägte sich immer stärker die Auffassung aus, nicht der einzelne Bürger und jeder, der dazu fähig ist, führt sein Leben selbständig, sondern für alle Härten im Dasein sei der Staat zuständig. Das lässt sich gut vertreten, spricht aber nicht für eine freiheitliche Gesellschaft.

Heute hilft nur eines: die demokratische Verfassung als Impuls für eine demokratische Gesellschaft zu nehmen und mit dieser ernst zu machen. Letzteres kostet keinen Cent, fängt beim Grüßen an, geht über Familie und Verein bis zu den großen Verbänden und Parteien, deren Wertschätzung der Basis noch recht steigerungsfähig ist. Wer den Menschen, gleich in welcher Stellung nicht achtet, ist zur Demokratie nicht fähig. Demokratie ist auch eine Stilfrage.

pfeil.gif [Pdf] Editorial

Quellen:

http://www.karlnapf.net/index.html

http://www.svz-archiv.net/

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