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LSD-Sitzungen Medikament gegen Todesängste eingesetzt

[]der Tages-Anzeiger vom Samstag, 12. Januar 2008 berichtet lt. Peter Widmer <pwidmer@quicknet.ch> folgendes []
LSD als Medikament einsetzen gegen die TodesangstEin Schweizer Psychiater möchte todkranken Menschen mit LSD helfen. Es
handelt sich um den ersten offizielle Versuch, das Halluzinogen
therapeutisch zu nützen.
Von Jean-Martin Büttner, Solothurn

Kurz vor Mittag bat er um 100 Mikrogramm LSD. Seine Frau spritzte sie
ihm intramuskulär, zweieinhalb Stunden später die zweite Dosis. Den
flackernden Fernsehschirm im Nebenzimmer nahm er nicht mehr wahr,
Bilder aus Texas. Am Morgen des 22. November 1963 war John F. Kennedy in
Dallas erschossen worden. Am späten Nachmittag schlief Aldous Huxley in
Los Angeles ein und träumte nicht mehr.

Der Schriftsteller starb an Kehlkopfkrebs. Die Ärzte hatten seine Frau
auf ein dramatisches Ende vorbereitet, da die Schlussphase meist mit
Erstickungsanfällen verbunden ist. «Er verschied aber ruhig und
friedvoll», sagt Albert Hofmann, der Schweizer Chemiker, der 1943 das
LSD im Basler Sandoz-Labor entdeckt hatte. Hofmann feierte gestern
seinen 102. Geburtstag und sagt, «dass mein grösster Lebenswunsch nun
in Erfüllung geht: dass LSD endlich wieder zum Medikament wird».

Therapie mit Halluzinogenen

Nach Kriegsende hatte die Firma Sandoz LSD Ärzten und Psychiatern «zur
seelischen Auflockerung bei analytischer Psychotherapie » empfohlen,
«besonders bei Angst- und Zwangsneurosen». Über sechzig Jahre später
möchte ein Schweizer Psychiater diese Qualität neu untersuchen. Peter
Gasser ist Präsident der «Schweizerischen Ärztegesellschaft für
psycholytische Therapie», die den therapeutischen Zugang mit
Halluzinogenen ermöglichen will. Er hat die entsprechende Ausbildung
durchlaufen, als das mit einer Spezialbewilligung noch möglich war,
andere aber nicht mit Halluzinogenen therapiert. Das möchte er jetzt im
Rahmen einer wissenschaftlichen Studie tun.

Im Oktober und nach achtmonatiger Bedenkzeit erteilte ihm die
zuständige Ethikkommission die Bewilligung, im Dezember schloss sich
das Bundesamt für Gesundheit an. Gasser kann bei zwölf Personen eine
Kurztherapie mit LSD durchführen und wissenschaftlich auswerten. Sie
richtet sich an Patienten, die an einer tödlich verlaufenden Krankheit
und an akuten Angstzuständen leiden.

Eng betreute Patienten

Peter Gasser wird diese Patienten, nach gründlichen Checks, drei Monate
lang behandeln und ihnen dabei zweimal je 200 Mikrogramm LSD
verabreichen, also eine mittlere Dosis. Die LSD-Sitzungen liegen vier
Wochen auseinander. Der Patient verbringt den Tag und auch die darauf
folgende Nacht unter Beobachtung in der Praxis. Er liegt entspannt auf
einer Matratze, der Therapeut sitzt daneben. Gesprochen wird während
der Sitzung wenig, dafür erklingt gelegentlich Musik, oder es werden
körpertherapeutische Übungen angeregt. Erst wenn die Wirkung der
Substanz langsam abklingt, also nach etwa vier bis fünf Stunden, wird
das Erlebte mit dem Patienten besprochen und die Erkenntnisse in der
weiteren Therapie vertieft.

Gefühl von Geborgenheit vermitteln

Vier der zwölf Patienten bilden die Kontrollgruppe und erhalten ein
aktives Placebo, nämlich die kaum wirksame Dosis von 20 Mikrogramm LSD.
Der Vergleich soll den therapeutischen Effekt der Substanz messbar
machen, wobei Gasser der Kontrollgruppe anbietet, später ebenfalls die
richtige Behandlung zu erhalten. Alle Patienten führen ein
Schmerztagebuch und geben über den Verlauf ihrer Ängste Auskunft. Das
LSD wird als Katalysator eingesetzt: Es soll die Ängste der Patienten
bewusst machen und ihnen zugleich das Gefühl von Geborgenheit und
Vertrauen vermitteln – jene Erfahrung also, die Aldous Huxleys mit den
britisch trockenen Worten beschrieb, «dass das Universum irgendwie in
Ordnung ist».

Peter Gasser empfängt einen in seinem hellen, grossen Behandlungszimmer.
Der 48-Jährige wirkt zurückhaltend, argumentiert auf unaufgeregte Weise
sachlich. Die egomanische Übersteigerung, so oft bei Drogenpionieren
anzutreffen, scheint ihm völlig fremd. Gasser teilt die Einschätzung des
deutschen Drogenforschers Günter Amendt, wonach man über den Rausch
nüchtern reden müsse. Und er teilt die Überzeugung von Albert Hofmann,
LSD als Medikament berge ungeahnte Möglichkeiten bei der Behandlung von
Depressionen, Zwangssymptomen und schweren Traumen.

Zwar wurden über fünftausend Studien veröffentlicht, bevor die Substanz
Ende der 1960er-Jahre weltweit verboten wurde. Die meisten erwiesen sich
aber als methodisch unbrauchbar oder sind veraltet.
Gassers Pilotversuch ist weltweit die erste offizielle Therapieforschung
mit LSD seit 35 Jahren. Die Resultate sollen im übernächsten Jahr
veröffentlicht werden. Der Versuch stösst auf weltweites Interesse und
wird von der «Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies»
(MAPS) mitfinanziert, die sich in den USA der Erforschung von
halluzinogen-gestützten Therapien verpflichtet hat.

Schweizer Pragmatismus

Dass ausgerechnet die Schweiz eine wissenschaftliche Untersuchung mit
LSD ermöglicht, ist für Gasser kein Zufall. Vor zwei Jahren, bei einem
internationalen Symposion in Basel zum 100. Geburtstag von Albert
Hofmann, hatten die Fachleute einen Appell erlassen, der zur Freigabe
von Halluzinogenen für die Forschung aufrief. Gasser erhielt daraufhin
einen Brief von Pascal Couchepin. Einer solchen Forschung stünde nichts
im Wege, schrieb der Gesundheitsminister, wenn die wissenschaftlichen
und ethischen Bedingungen für solche Versuche erfüllt seien. Auch die
Ethikkommission habe völlig sachlich argumentiert. Es sei eine Stärke
der Schweiz, sagt Gasser, dass sie in einer solchen Frage pragmatisch
und liberal vorgehe.

Der Psychiater möchte mit seiner Studie zwei Dinge zeigen: dass eine
solche Therapie für die Patienten völlig sicher ist. Und dass LSD
todkranken Menschen helfen kann, ihr Schicksal besser zu ertragen. Die
Herausforderungen sind sehr hoch, die Hoffnung ist es auch. Das letzte
Wort, das Aldous Huxley vor seinem Tode sagte, war «yes».

icon_weiter.gif www.maps.org Albert Hofmann: «Einsichten, Ausblicke.
Essays.» Nachtschatten-Verlag, Solothurn. 23 Franken.

[] sorry… musste ich dreisterweise „stibitzen“
  1. 13. Februar 2008 um 00:11

    Heutzutage ist dies geklärt… aber wie es der Öffentlichkeit dargelegt wurde zeigt sich in diesem Artikel

  2. onlybrain
    12. Februar 2008 um 23:52

    ( zitat : Zwar wurden über fünftausend Studien veröffentlicht, bevor die Substanz Ende der 1960er-Jahre weltweit verboten wurde. (zitat ende )

    dazu : als erstes wurden ja die veröffentlichungen von studien (mit einsatz von Lsd ), verboten nicht wahr ? warum dies geschah ist doch weitestgehend ungeklärt

    (zitat : Die meisten erwiesen sich aber als methodisch unbrauchbar oder sind veraltet. zitat ende )???

    Lsd ist doch schon die perfekte studie !?

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