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Gefahren der Atomenergie neu entfacht

 

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD). (AP Photo/Markus Schreiber)

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Berlin – Eine aktuelle Studie über das Krebsrisiko für Kinder, die in der Nähe von Atomkraftwerken leben, hat die Debatte über Gefahren der Kernenergie neu angefacht. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte, eine größere Häufigkeit von Erkrankungen sei nach den derzeitigen Erkenntnissen nicht auf die Strahlenbelastung aus Atomkraftwerken zurückzuführen. Er kündigte aber eine Überprüfung an. Grüne und die Umweltorganisation Greenpeace sahen ihre Vorbehalte gegen die Kernenergie angesichts der Ergebnisse bestätigt und forderten erneut den Atomausstieg.

Die im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz erstellte Untersuchung war zu dem Schluss gekommen, dass die Häufigkeit insbesondere von Leukämieerkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren mit der Nähe zu einem der 16 Reaktorstandorte zunehme.

Die Forscher unter der Leitung der Mainzer Epidemiologin Maria Blettner stellten fest, dass zwischen 1980 und 2003 im Umkreis von fünf Kilometern um die Reaktoren 77 Kinder an Krebs, davon 37 an Leukämie, erkrankt waren. Im statistischen Durchschnitt seien 48 Krebs- beziehungsweise 17 Leukämiefälle zu erwarten gewesen. Etwa 20 Neuerkrankungen seien also allein auf das Wohnen in diesem Umkreis zurückzuführen.Gabriel sagte, der beobachtete Anstieg könne nach derzeitigem wissenschaftlichem Kenntnisstand nicht mit der Strahlenbelastung aus einem Atomkraftwerk erklärt werden. „Die Strahlenbelastung der Bevölkerung müsste durch den Betrieb der Atomkraftwerke in Deutschland um mindestens das 1.000-fache höher sein, um den beobachteten Anstieg des Krebsrisikos erklären zu können“, sagte er.

Die statistische Untersuchung und bekannte Zusammenhänge zwischen Krebsrisiko und Strahlung stünden daher nicht im Einklang miteinander. Deswegen solle die Strahlenschutzkommission die Untersuchung samt ihrer Methoden und Ergebnisse genau bewerten, sagte der Minister. Das Ergebnis der Untersuchung ist nach Ansicht des Bundesamtes für Strahlenschutz nicht erstaunlich. Es passe zu ähnlichen weltweit durchgeführten Studien. „Überraschend ist jedoch, dass nachweislich das Risiko für Kinder, an Leukämie zu erkranken, umso größer ist, je näher sie am Reaktor wohnen“, erklärte die Behörde.

Bütikofer warnt vor Verharmlosung

Angesichts dieser Befunde forderte der Grünen-Vorsitzende Reinhard Bütikofer, die Studie dürfe nicht zur Seite gewischt werden. Die Bundesregierung müsse nun eine weitere wissenschaftliche Vertiefung in Auftrag geben. „Wer angesichts solcher Ergebnisse für einen längeren Betrieb von Atomkraftwerken oder gar deren Neubau eintritt, handelt völlig verantwortungslos“, sagte er.

Nach Einschätzung des Greenpeace-Atomexperten Heinz Smital kann nun niemand Entwarnung zu den Risiken von Atomkraftwerken geben. Ähnlich sieht es auch die Links-Fraktion im Bundestag. Ihr stellvertretender Vorsitzender Werner Dreibus sprach sich dafür aus zu prüfen, ob der Atomausstieg noch schneller als bislang geplant möglich wäre.

Das deutsche Atomforum wandte sich gegen die Einwände und wies darauf hin, dass die Studie keine neuen Erkenntnisse zur Verursachung von Krebserkrankungen bei Kinder biete. Ähnliche Studien hätten eine Häufung von Krankheitsfällen auch an Standorten ohne Atomtechnik gezeigt.

Die Studie ist nach Angaben der Autoren die dritte in einer Reihe entsprechender Untersuchungen. Sie hebe sich aber von den beiden Vorläufern in der Aussagequalität entscheidend ab. So seien erstmals exakte Angaben zur Entfernung eines Wohnortes von einem Reaktor, und zwar sowohl für erkrankte als auch für nicht erkrankte, Kinder, in einer „Fall-Kontroll-Studie“ berücksichtigt worden.

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