Im Juni hat Politblog mit einem Artikel gezeigt, wie in Film und Fernsehen über die Unterhaltungsschiene – also durch die Hintertür – allmählich die Uniform des deutschen Soldaten wieder salonfähig gemacht werden soll, um die schon von Kanzler Schröder geforderte Enttabuisierung des Militärischen umzusetzen. Seinerzeit merkten wir an, dass nur noch die Serie zum Bundeswehreinsatz im Ausland fehlt. Doch manche Prognosen erfüllen sich nicht, sie übererfüllen sich. Denn die über unsere Gesinnung wachenden, weisen Volkspädagogen sind offenbar der Ansicht, dass große Propaganda auch auf eine große Leinwand gehört und so darf die Truppe nun im Kino aufmarschieren.

Der Streifen mit dem Titel Mörderischer Frieden läuft am 29.11. bundesweit in den Lichtspielhäusern an – ich dachte bisher immer, dass es der Krieg wäre, der mörderisch sei.Den Rahmen der Handlung bildet der so genannte Kfor-Einsatz im Kosovo, wo die Bundeswehr mit ein paar tausend Soldaten für Sicherheit und Ordnung sorgen soll, wie es offiziell heißt.

Dass der Film den ersten Kampfeinsatz deutscher Soldaten nach dem 2. Weltkrieg thematisiert, wäre aber irreführend. Denn jenes Attribut gebührt den Luftangriffen der Tornado-Jagdbomber im Kosovo-Krieg 1999.Aus nahe liegenden Gründen hat man davon abgesehen, den Film darüber zu drehen – der ohne UN-Mandat geführte NATO-Luftkrieg in Jugoslawien eignet sich nun mal denkbar schlecht für eine Heldenstory. Zur Kunst der Propaganda gehört eben nicht nur das Geschichtenerzählen, sondern vor allem auch das Weglassen.Das Gute an solchen Produktionen aus Deutschland ist, dass sie in der Regel unglaubwürdig, gestellt und höchstens unfreiwillig komisch wirken, so dass die Resonanz eher verhalten ausfallen dürfte.

Übrigens: Was treibt die Bundeswehr im Ausland derzeit mit ihrem teuren, vom Steuerzahler finanzierten Spezialgerät tatsächlich? Zum Beispiel Katzen füttern. Wenigstens handelt es sich dabei um eine ausgesprochen friedliche Maßnahme, die – zumindest bei der Katze – sogar vertrauensbildend wirken dürfte. Dass die vor Libanons Küste vor sich hin dümpelnden deutschen Marineeinheiten schon Unmengen geschmuggelter Waffen aufgefunden hätten, ist jedenfalls noch nicht zu hören gewesen.

Aber immer wenn man glaubt, es könnte kaum noch haarsträubender werden, wird man eines Besseren belehrt: Die absurdesten Meldungen kommen mal wieder aus den USA und man sollte es eigentlich nur für einen schlechten Scherz halten: Rambo ist wieder da. Für einen vierten Teil der unsäglichen Abschlachtorgie um die “Friedensschaffende Maßnahme im Singlepack” hat man tatsächlich Action-Opa Sylvester Stallone – inzwischen über 60 Jahre alt – vor die Kamera gezerrt. Rambo IV soll 2008 in den Kinos auftauchen. Nachdem er in Rambo II nachträglich den Dschungelkrieg für die USA gewann und im dritten Teil als Alliierter der Mudjaheddin in Afghanistan um sich schoss, darf er jetzt irgendwo in Birma sein Unwesen treiben. Aber die Rahmenhandlung dürfte bei dieser Art Hardcore-Movie für die avisierte Zielgruppe ohnehin irrelevant sein.

Über Rambo III ist zu erfahren, dass der Film in den 90er Jahren in das Guinness-Buch der Rekorde als brutalster Film aufgenommen wurde, da in ihm 221 Gewalttaten und 108 tote Menschen zu verzeichnen waren. Das setzt Maßstäbe! Angesichts dessen meinte die Filmbewertungsstelle Wiesbaden, den Streifen mit dem Prädikat “wertvoll” versehen zu müssen. Nach heftigen Protesten sah man jedoch wieder davon ab. Wahrscheinlich war das ganze aber nur ein Missverständnis: Denn im doppelten Sinne “wertvoll” dürfte der Film in der Tat gewesen sein – für die Produzenten, denn er spielte Millionen Dollar ein und für die amerikanischen Propagandisten im Kalten Krieg gegen die Sowjetunion.

Jedenfalls fragt man sich, ob die Hollywood-Abteilung für (besonders) “geistreiche” Kriegspropaganda auf dem letzten Loch pfeift, wenn sie schon längst eingemottet geglaubte Kampfrentner Marke Volkssturm als letztes Aufgebot in den Ring schickt, um den Kinozuschauern zu verdeutlichen, auf welch hohem kulturellen Niveau die “Westliche Wertegemeinschaft” wandelt.

Doch nach dem Motto: “Ärgere dich nicht, es könnte schlimmer kommen” sollte man sich wirklich nicht ärgern, denn es kommt noch schlimmer: Rambo V ist bereits angekündigt.

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