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Die Politik der Folter

Strafanzeige gegen den ehemaligen US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld u.a.
Wolfgang Kaleck

„Kannst Du schwimmen?“ fragte Lorca, über mich gebeugt. „Du wirst es jetzt lernen, los zum Wasserhahn“. Sie hoben das Brett auf, an das ich immer noch gefesselt war und trugen mich in die Küche. Dort legten sie es mit dem Kopfende auf das Spülbecken. Zwei oder drei Paras hielten das andere Ende. Die Küche war nur von dem schwachen Licht des Ganges erhellt. Im Halbdunkel erkannte ich Irulin, Charbonnier und den Hauptmann Davis, der anscheinend die Leitung des Unternehmens übernommen hatte. Am vernickelten Wasserhahn, der über meinem Gesicht glänzte, befestigte Lorca einen Gummischlauch. Er umwickelte meinen Kopf mit einem Tuch, indes Davis zu ihm sagt:„Stecken Sie ihm einen Knebel in den Mund.“ Durch das Tuch kniff mir Lorca die Nase zusammen. Er schlug mir ein Stück Holz zwischen die Lippen, um mich daran zu hindern, den Mund zu schließen oder den Schlauch wegzustoßen. Als alles fertig war, sagte er zu mir: „Wenn Du reden willst, brauchst Du nur die Finger zu bewegen“ und er öffnete den Wasserhahn. Das Tuch saugte sich schnell voll. Das Wasser floss in meinen Mund, über meine Nase und mein ganzes Gesicht. Eine Weile konnte ich noch kleine Atemzüge machen. Ich versuchte durch Zusammenziehen der Kehle so wenig Wasser als möglich zu schlucken und, solange ich konnte, Luft in meine Lungen zu schöpfen, um gegen das Ersticken ankämpfen zu können. Aber bald konnte ich nicht mehr. Ich glaubte, zu ertrinken, und eine quälende Angst, die Angst vor dem Tod, überfiel mich. Ohne mein Zutun, streckten sich alle Muskeln meines Körpers, um mich der Atemnot zu entreißen, doch vergeblich. Gegen meinen Willen bewegten sich die Finger an meinen beiden Händen. „Es ist soweit. Er wird reden“, sagte eine Stimme. Das Wasser hörte auf zu fließen, man nahm mir das Tuch ab. Ich atmete auf. Im Halbdunkel sah ich die Oberleutnants und den Hauptmann, Zigaretten zwischen den Lippen. Sie schlugen mit vollen Kräften auf meinen Leib, um mich soweit zu bringen, das geschluckte Wasser wieder auszuspeien. Betäubt von der eingeatmeten Luft verspürte ich kaum die Schläge. „Nun?“ Ich blieb stumm. „Er hält uns zum Narren, legt ihm den Kopf wieder drunter!“ Dieses Mal schloss ich die Fäuste so fest, dasssich die Fingernägel in die Handballen eingruben. Ich war entschlossen, nicht mehr die Finger zu bewegen. „Lieber beim ersten Mal sofort ersticken“. Ich fürchtete eine Wiederkehr dieses schrecklichen Augenblicks, wo sich mein Bewusstsein verdunkelte und wo ich mich zugleich mit allen Kräften gegen das Sterben wehrte. Ich bewegte nicht mehr die Finger, aber ich musste noch drei Mal diese Höllenangst erdulden. Im letzten Augenblick ließen sie mich Atemholen, während sie mir das Wasser herauspressten. Beim letzten Male verlor ich das Bewusstsein.“Aus: Henri Alleg, Die Folter, München 1958.

* Strafanzeige gegen den ehemaligen US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, u. a. wegen Kriegsverbrechen und Folter zum Nachteil irakischer Internierter im Gefängnis Abu Ghraib/ Irak und in dem Lager Guantánamo: hier erfolgt der Abdruck der Einleitung zur Strafanzeige vom 14. November 2006. Die Namen und Funktionen der Angezeigten Personen, die Namen der Anzeigeerstatter und den weiteren Teil der über 300 Seiten umfassenden Strafanzeige kann unter:

http://www.diefirma.net/index.php                                 http://www.rav.de/rumsfeld2.html

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